Frage und Umfrage

Braucht es eine Ostquote? Bedarf es gewisser, zwingender Verabredungen, um Bürger aus den neuen Ländern im gesamtdeutschen Maßstab entsprechend ihrem Anteil an der deutschen Bevölkerung in staatliche und wirtschaftliche Spitzenpositionen zu bringen, so, wie mancher meint, Frauen hätten das nötig oder sie wollten das. Der Befund: vier der 109 Abteilungsleiter in den Bundesministerien stammen aus Ostdeutschland, wurde eine Frage der Linken im Bundestag von der Bundesregierung beschieden. In den Ministerien der neuen Bundesländer soll weniger als ein Viertel der Abteilungsleiter aus dem Osten stammen. Von 100 der größten ostdeutschen Unternehmen werden 28 von ostdeutschen Chefs geleitet. 78 von 585 Richtern in Ostdeutschland sind ostdeutscher Herkunft, von 336 Bundesrichtern drei. Stellen Sie sich vor, was sich bei einer Lagebespechung aller deutschen Generäle und Adrmirale täte, käme das Kommando „Achtung, Ostdeutsche rechts raustreten!“. Nach 27 Jahren Armee der Einheit. Man könnte annehmen, 27 Jahre nach der Wiedervereinigung ist die Zustandsbeschreibung beunruhigend.

Doch, was schert es den Kriminellen vor einem Amtsgericht oder Landgericht in Sondershausen oder Mühlhausen zu stehen, wenn ein Richter aus Castrop-Rauxel oder ein Senat über ihn zu Gericht sitzt, bei dem nur die Schöffen aus dem Unstrut-Hainich-Kreis kommen. Was schert es den Soldaten im Einsatz, wenn er von einem General aus Cuxhaven befehligt wird? Arbeitet es sich unter einem ostdeutschen Boss leichter? Vollziehen ostdeutsche Spitzenbeamte ostdeutsches Landesrecht anders als ihre Brüder und Schwestern aus dem Westen? Ist die deutsche Einheit erst dann hergestellt, wenn ein Siemens-Chef, aus Elend gebürtig, mit einem international zusammengesetzten Vorstand nach Analyse der Unternehmenszahlen, nach Analyse der Entwicklung auf den Weltmärkten über Fortbestehen oder Aus für Standorte in den neuen Ländern befindet.

Das ganze ist auch kein Problem des „kleinen Mannes“. General, Bundesrichter, Hochschullehrer wird man mit dem Abitur in der Taschen und einem erfolgreichen einschlägigen Studienabschluss und Sitzfleisch. Kann jemanden tatsächlich das Gefühl einer Benachteiligung umtreiben, wenn man auf einer sicheren Planstelle als Landesbedienster gar -Bamter sitzt, als Richter oder Staatsanwalt, oder wenn man einen Professoren-Titel führen kann und doch im Hochschulbetrieb nicht weiter vorankommt, selbst wenn eventuell ein Anderer zum zweiten Mal jenseits des Pensionsalters zum Präsidenten einer Hochschule gewählt wird?

Der Thüringen Monitor 2017 geht auch der Frage nach Benachteiligungen nach. 1032 repräsentativ ausgewählte Thüringer wurden befragt, ob sie sich als Thüringer, als Ostdeutsche, Deutsche oder Europäer identifizieren. Nur 42 Prozent gaben an, sich als Thüringer zu identifizieren, 16 als Ostdeutsche. Unter den Befragten mit Abitur waren es nur 19 beziehungsweise 8 Prozent. Ein Drittel der befragten höheren leitenden Angestellten und Beamten sieht sich als Thüringer nur etwa ein Zehntel als ostdeutsch an. Befragt, ob sie sich wegen ihrer Herkunft je benachteiligt gefühlt hätten, antworteten 59 Prozent der Umfrageteilnehmern „noch nie“. Lediglich zwei Prozent antworteten „andauernd“. 66 Prozent der höheren leitenden Antgestellten und Beamten antworteten „noch nie“. Von den 60 Jahre alten und älteren, die also nicht die längste Zeit im wiederereinten Deutschland leben, gaben 63 Prozent an, sich noch nie als Ostdeutsche benachteiligt gefühlt zu haben.

Ist das Ganze also ein Zeichen ostdeutscher Deprivation wenn es nach der Thüringer Erhebung nicht einmal ein Problem der Eliten zu sein scheint?

Hinterlasse einen Kommentar