„Die Sprache ist dem Menschen gegeben, um seine Gedanken zu verbergen“, zitiert der französische Staatsmann Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord den Philosophen Voltaire. Es muss Talleyrand besonders gut gelungen sein, konnte er sich doch mit diversen Unterbrechungen von der französischen Revolution über die Herrschaft Napoleons bis in die Zeit des erneut entstandenen französischen Königreiches halten.
Beim Gang des Satzes durch die Zeit wurde das Wort „Menschen“ durch das Wort „Diplomaten“ ersetzt. In dieser Weise wird er heute gern zitiert.
An den Satz Talleyrands wird man jetzt vom NATO-Generalsekretär erinnert. Er ist auf Solidaritätsreise in der Türkei. Und nicht nur er. „Ich bin zuversichtlich, dass die Türkei zu ihren rechtsstaatlichen Verpflichtungen und zu den demokratischen Werten im Herzen unserer Allianz steht“, sagte er bei seinem Besuch in Ankara. Zuvor hatte er die Rolle der Türkei in der NATO gewürdigt. Der Satz des Politikers lässt einen mit Fragen zurück.
Drücken so Diplomaten ihre Hoffnung aus, dass die Verstöße gegen demokratische Werte nach der Niederschlagung des drôle de coup ab sofort ein Ende haben werden? Will er damit etwa sagen, dass alles das, was bisher als Verstoß gegen demokratische Werte verurteilt wurde, nicht mehr als solcher gesehen wird? Will der NATO-Generalsekretär dem türkischen Staatschef etwa signalisieren, mach mit den Säuberungen weiter, es ficht uns nicht an. Will er stellvertretend für die Bündnispartner sagen, wir brauchen die Türkei an der Südostflanke der Allianz und es ist halt türkische Art, etwas härter hinzulangen. Sollen sie nur machen? Was will Der Generalsekretär der NATO der Welt damit sagen?
Man stelle sich vor, es hätte einen derartigen Putschversuch in Moskau gegeben, Putin hätte obsiegt und er würde in der gleichen Weise verfahren.