Zwei-Präsidenten-Problem

Zu Silvester 2022 – der Namenstag eines heiligen Papstes – löste sich für die Katholische Kirche das Zwei-Päpste-Problem. Es starb Benedikt XVI. Fast neun Jahre hatte das ehemalige Oberhaupt der Katholiken still neben seinem Nachfolger auf dem Stuhle Petri nebenher gelebt. Üblicherweise sterben Päpste im Amt. Der deutsche Theologe aus Marktl fühlte sich den Aufgaben nicht mehr gewachsen. Rücktritt. Neun ruhigere Jahre folgten. Warum ich daran erinnere?

Weil die USA ein „Zwei Präsidenten Problem“ haben. Einen, der in einer Rede an die Nation sagte, er werde die kommenden sechs Monate weiter treulich, seinem Verfassungsauftrag entsprechend, dem amerikanischen Volke dienen. Und eine, die eigentlich seine Stellvertreterin ist, die in den bevorstehenden Wahlkampf-Wochen landauf, landab kraftvoll und inspirierend auftreten muss, aber nicht den Eindruck erwecken darf, der Mann im Weißen Haus sei nicht mehr als ein Frühstücksdirektor mit aufwendigem Personenschutz.

Eigentlich waren die Vizepräsidenten so etwas wie die Assistenten des ersten Mannes im Staat mit einem eigenen Arbeitsstab, der Auftritte zu den Terminen koordinierte, die der Präsident aus Zeitgründen nicht wahrnehmen konnte oder die ihm nicht wichtig schienen. Nachfolger konnte man eigentlich nur werden, wenn der Präsident im Amt starb oder getötet wurde. Was es ja schon einmal gab.

Sechs Monate stehen dem verfassungsmäßigen Amtsinhaber bevor, in denen er eigentlich Wahlkampf für seine Nachfolgerin machen muss. Es steht nicht zu vermuten, dass er noch mal zu alten Kräften finden würde. Nach seinem Verzicht auf eine weitere Kandidatur würde ihm das auch nichts nutzen. Also erhebt sich die Frage, was er noch bewegen kann, wenn er schon jetzt weiß, dass ihm die Kraft für eine zweite Präsidentschaft fehlen würde?

Und was kommt nach dieser Frage? Die Frage, warum er nur einen halben Rücktritt verkündet hat? Wenn man die Ereignisse in Washington DC und in Delaware schon als Finesse der Führung der Demokraten verstehen kann, mit der man eine absehbare Wahlniederlage verhindern wollte und einer kräftigeren Kandidatin den Weg zur Nachfolge ebnen wollte, kann man auch fragen, warum kein ganzer Rücktritt?

Die Antwort ist zwei geteilt, aber leicht: weil die Strippenzieher ja bis kurz vor Ultimo den Präsidenten als den bestgeeigneten Kandidaten für eine zweite Amtszeit herausgestellt hatten – offenkundig mindestens ne Fehleinschätzung, wenn nicht Wählertäuschung. Zum Zweiten nennen die selben die neue, überraschende Kandidatin ebenso die Beste. Kann man glauben, muss man aber nicht.

Eine Antwort auf „Zwei-Präsidenten-Problem

  1. und wie immer gibt es schnell eine frisierte umfrage, wonach die konkurrentin natürlich eindeutig in der wählergunst vor trump liegt.

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