„Wenn die Welt untergeht, dann ziehe ich nach Mecklenburg, da geschieht alles 50 Jahre später“. Das Zitat wird dem Alten aus dem Sachsenwald zugeschrieben. Zwischen Mecklenburg und Thüringen liegt ein wenig Brandenburg und das Land der Frühaufsteher Vielleicht macht das, dass es Tage dauert bis hier politisch Aufregendes bemerkt wird. Ein Beispiel gefällig: Da folgt der Landeschef der CDU am 29. September einer Einladung des Evangelischen Arbeitskreises der Union unter dem Motto: „Kirche als Moral-Agentur in der politischen Arena?“.
„Mit welcher Legitimation und auf welcher Basis urteilen Kirchen über politische Sachthemen, die in Regierungen und Parlamenten zur Entscheidung stehen? Bewegen sie sich damit im Rahmen ihres öffentlichen Auftrags? Und was bedeuten diese Verlautbarungen für gläubige Christen, die auf unterschiedliche Weise auf die Entscheidungsfindung in derart umstrittenen Fragen Einfluss nehmen können oder müssen?“ Berechtigte Fragen, die der Erörterung bedürfen.
Der CDU-Landeschef nutzte die Gelegenheit, die Kirche als notwendige Stimmen zu bezeichnen. Doch ging ihm deren „Einmischung“ zuletzt zu weit, wurde berichtet. Er habe auf Bedenken bei der Einstufung der Maghrebstaaten als sichere Herkunftsländer verwiesen. Die katholische wie die evangelische Kirche hatten R2G in Thüringen aufgefordert, sich gegen die Einstufung Marokkos, Algriens und Tunesiens als sichere Herkunftsstaaten einzusetzen. Und auch dass Erfurts Bischof den Dom verdunkeln ließ, wenn sich die AfD mit ihren Anhänger versammelte, störte den CDU-Fraktionschef. Zum einen wie zum anderen kann man anderer Ansicht sein.
Elf Tage später, bemerkte die kirchenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Thüringer Landtag das ganze und empörte sich. Sie sprach von einem inakzeptablen Maulkorb für die Kirchen. Sie muss es so sehen und mitteilen. Am Ende ihrer Pressemitteilung heißt es etwas verwirrend: „Die Stimme der Kirchen ist eine Stimme der Gesellschaft, sie sind wertzuschätzen und das gilt auch für Herrn Mohring und seine Fraktion.“ Sie hat es gewiss anders gemeint, als es da steht.