In den Reihen der CDU-Fraktion des schönsten Freistaates, sitzen Abgeordnete, die sich unangenehm erinnert fühlen mussten, als ihnen der Parlamentarische Geschäftsführer der stärksten Fraktion eine kurze Lektion in Parlamentsgeschichte erteilte. Es ging um die Wahl eines CDU-Kandidaten in das Amt des Landtagspräsidenten, weil der zu Beginn der Legislatur Gewählte seinen Rückzug aus aus dem Parlament angekündigt hatte und vom Amt zurückgetreten war. Die CDU wähnte damals die Geschäftsordnung auf ihrer Seite. Sie sollte sich irren.
Die geheime Abstimmung zur Drucksache 6/6385 ging für die Christdemokraten – damals noch die stärkte Fraktion – am 9. November 2018 gründlich in die Hose. 88 abgegebene Stimmen 40 für den CDU-Mann, 48 Nein-Stimmen. Die rot-rot-grüne Koalition ließ den Kandidaten der Fraktion durchfallen. Ein Debakel. Der damalige Fraktionschef erklärte danach, das sei „ein ungewöhnlicher Vorgang, der gegen alle parlamentarischen Gepflogenheiten verstößt.“ Der unterlegene Fraktionschef warf den damaligen Mehrheitsfraktionen der LINKE , der SPD und Bündnis 90/Grüne vor, „sich als moralische Instanz“ aufzuspielen, wie es in einer Pressemitteilung hieß. Die Wahl eines Landtagspräsidenten sei grundsätzlich keine Angelegenheit die der Logik von Regierungsmehrheit und Opposition folgt, nahm der Politiker unausgesprochen Bezug auf den gebotenen Schutz von Minderheitenrechten.
Die Grünen hatten früh Widerstand signalisiert, nannten den Vorschlag eine „Provokation“. Sie stoppten damit die Pläne. Heym, daran sei erinnert, hatte sich nach der Landtagswahl offen für Gespräche mit der AfD ausgesprochen. „Rechnerisch reicht es für ein Bündnis aus AfD, CDU und FDP. Ich finde, das sollte man nicht von vornherein ausschließen, man tut der Demokratie keinen Gefallen, wenn man ein Viertel der Wählerschaft verprellt.“ 17 damalige Abgeordnete, wurden gezählt, die die Position stützten. Zur gleichen Zeit favorisierte ein CDU-Landrat in Thüringen eine Koalition mit der Linke. Wirre Zeiten.
Der damalige Fraktionschef und der betroffene Abgeordnete sitzen nicht mehr im Landtag. Das Wissen um die Geschichte scheint nach sechs Jahren verschüttet zu sein. Das und die mit allen möglichen und unmöglichen Argumenten unterfütterte politische Absicht, die Geschäftsordnung zu ändern, um ein AfD-Mitglied an der Spitze des Landtags verhindern zu wollen, erklärt die Verfahrensweise. Plausibel macht sie es nicht.