Wer soll eine Aktion – selbst gegen den führenden Vertreter einer ekligen Partei – ungebrochen begrüßen, deren Protagonisten sich an verschiedenen Stellen selbst bezichtigen Nazi-Methorden anzuwenden? Vor dem Wohnhaus des Chefs der Thüringer AfD in Bornhagen wurden Betonklötze platziert, die ein Ableger des Berliner Mahnmals für die ermordeten Juden Europas sein sollen. Schon da möchte man den Kopf schütteln, wenn das Gedenken an sechs Millionen ermordete Juden für politische Spielerchen herhalten muss. Ja, der AfD-Politiker hat das Holocaust -Mahnmal ein Denkmal der Schande genannt, dass die Deutschen sich in das Herz ihrer Hauptstadt gepflanzt hätten. Er ist dafür von allen Seiten als ein politischer Brandstifter verurteilt worden. „Gegen Nazis wenden wir nur Nazimethoden an“, setzte man gegen Vorhaltungen die Aktion erinnere an die Stasi.
Den Aktivisten vom Zentrum für politische Schönheit genügen die symbolischen Stelen nicht. Und so griffen sie zu einer Maßnahme über die selbst mehr debattiert wird, als über ihre beabsichtigte Aussage. Da muss man nicht einmal in Erwägung ziehen, ob es Kunst ist, oder ob das weg kann. Wie man Kunst mit Nazi-Methorden kombinieren könnte, will sich nicht erschließen. Im Prinzip ist das Ganze die Fortsetzung eines Aufmarsches vor dem Wohnhaus des Politikers, der seinerzeit vom Ministerpräsidenten Thüringens abgelehnt wurde. Gegen die Betonklötze in Bornhagen hat der Linke-Politiker nichts einzuwenden. Und so wird es auch ein Problem angemessen abzuschätzen, welche Grenzüberschreitung amüsant sein könnte, welche gerade noch so akzeptabel ist und welche nicht.
Zu den angewendeten (nochmal das eigene Urteil) Nazimethoden gehörte auch eine zehn Monate dauernde Bespitzelung des Politiker und seiner Familie. Sie brachte politisch kaum Bedeutsames ans Tageslicht: dass, obwohl er von sich sagt, Langstreckenläufer zu sein, selten mehr als vier Kilometer joggt, wo er gern Urlaub macht, in welchem Hotel er in Erfurt während der Sitzungswochen des Landtags logiert, wie er zu seinen Schafen ist, wo er Holz hackt. Weitere „Enthüllungen“ werden angedroht. Ein zivilgesellschaftlicher Verfassungsschutz habe das alles herausgefunden. Der sei nötig, weil der richtige Verfasssungsschutz keine menschlichen Quellen unter Rechtsextremen führe – übrigens eine Forderung der Linke und Grünen – und die AfD nicht beobachtet wird. „Merci an das Zentrum für politische Schönheit für diese Aktion .@politicalbeauty #Mahnmal #Höcke“, kichern grüne Damen, deren Empörung man nicht hoch genug veranschlagen kann, hätte sich der richtige Verfassungsschutz derart um einen der Ihren gekümmert. Der AfD-ler kann sich von der künstlerischen Form der Kritik an seinen Worten und Ideen nur befreien, indem er vor dem Nachbau des Mahnmals auf die Knie sinkt und aufrichtig bedauert. Ein wenig Inquisition oder stalinistische Katharsis ist also auch beabsichtigt.