Von der Öffentlichkeit beinahe unbeachtet, machten sich die Fraktionsspitzen der Linken aus den neuen Ländern und Berlin Gedanken darüber, wie linkes Einwanderungsrecht aussehen könnte. Anfang Juni stellte das Neue Deutschland ein entsprechendes Papier vor. Jetzt, beinahe acht Wochen später, reagierte der migrationspolitische Sprecher der Thüringer CDU-Landtagsfraktion und kritisierte erwartungsgemäß die linken Vorstellungen. Die Reaktion darauf zeugt nicht davon, dass die Thüringer Regierungspartei mit anderen demokratischen Parteien in einen Austausch eintreten will. Mit dem Urteil „Umvolkungssprech“ rückte die Sprecherin für Flüchtlings- und Integrationspolitik der Linke-Landtagsfraktion die Kritik ihres Landtagskollegen in die Nähe der Sprech- und Denkweise der Nazis. Später machte sich ihre Fraktion einen Kommentar der grünen Landtagsfraktion zu eigen. Die kommentierte im Kurznachrichtendienst Twitter: „Nur Umvolkung haben sie noch nicht gesagt“.
Dabei sind die Differenzen zwischen dem, was die Linken wollen und dem was die Grünen anstreben, ganz weit voneinander entfernt. Linke bescheinigten dem von den Grünen kurz vor der Sommerpause in den Bundestag eingebrachten Entwurf eines Einwanderungsgesetzes mit Talentkarte und Punktesystem „Nützlichkeitsrassimus“. Deutschland brauche kein Einwanderungsgesetz, „das dem Kapital bessere Ausbeutungsbedingungen schafft und letztlich auf Lohndumping abzielt.“ In seiner Ablehnung der Überlegungen einer anderen demokratischen Parteien ist das nicht so weit vom Nazisprech-Vorwurf entfernt. Der entscheidende Unterschied – die Grünen erwägen eine Koalition mit der Linken nach der Bundestagswahl, die CDU nicht. Die Linken haben nur eine Machtoption gemeinsam mit den Grünen und der SPD.
Der Kern der linken Vorstellungen nimmt Bezug auf das in Erfurt 2011 in Erfurt beschlossene Programm der Partei, in dem es heißt: „Deutschland ist ein Einwanderungsland. Die Linke lehnt eine Migrations- und Integrationspolitik ab, die soziale und politische Rechte danach vergibt, ob Menschen für das Kapital als „nützlich“ oder „unnütz“ gelten. Wir wollen die soziale und politische Teilhabe für alle in Deutschland lebenden Menschen erreichen. Wir fordern offene Grenzen für alle Menschen“. Demnach soll im Mittelpunkt eines Linken Einwanderungsrechtes der soziale Anknüpfungspunkt einer Person stehen. Der sei gegeben, „wenn familiäre Beziehungen bestehen oder Familienangehörige von Personen einreisen, eine Ausbildung/Studium oder Erwerbstätigkeit aufgenommen werden soll, eine Gemeinwohltätigkeit begonnen wird oder sonstige Gründe für eine soziale Verwurzelung sprechen.“
Offene Grenzen und Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes schließen sich in der Gedankenwelt der Linkspartei nicht aus. Finanzierbar sei das, wie auch ein Mindestlohn von 12 Euro ohne Ausnahme, der Rückbau der Leiharbeit zugunsten unbefristeter Arbeitsplätze, mehr Geld für Arbeitslose und Rentner , über höhere Steuern auf Kapitalerträge, Vermögen, Erbschaften und hohe Gehälter. Notfalls eben durch neue Staatsschulden auf Bundes- und Länderebene
Etwaige Gründe für eine Verweigerung der Einreise sind mehr als erklärungsbedürftig. Wer nicht einreisen dürfte, erklärte die Linke-Fraktionschefin im Thüringer Landtag in einem Zeitungsinterview. „Menschen, die zu Spionagezwecken einreisen, eine Straftat begehen wollen, Waffen bei sich führen oder für Kriegsverbrechen verurteilt wurden.“ Spionage, Straftaten planen, alles Dinge, die man bei der Reise in ein fremdes Land zu Protokoll gibt, das einen mit offenen Armen empfängt. Die Zahl der an einer Einreise Interessierter dieser Art kann an zwei Händen an drei Händen abgezählt werden. Die Ausschlusskriterien werden dennoch unter das Rubrum gestellt „notwendige Sicherheit wenn man Einwanderung gestalten will“. Das darf man weiße Salbe für die nennen, die den Plänen der Linken misstrauen oder eben naiv.
Zwischen den Plänen der Linken und der Wirklichkeit stehen die Debatte über die Pläne in der Partei selbst, die neuen Mehrheiten im 19. Bundestag und das Grundgesetz.