Wie mit einer Axt kann man mit Worten einen Gesprächsfaden durchschlagen. „Baumkahlschlagslobby“ ist so ein Wort. Thüringens grüne Umweltministerin prägte den Kampfbegriff bei einer Zusammenkunft ihrer Partei zur Beförderung der Idee einer so benannten Waldwildnis im Possen bei Sondershausen. Aber derartige Worte drängen naturgemäß immer ins Freie. Dort wirken sie dann.
Das Ansinnen der Ministerin: etwa 2500 Hektar Buchenwald im Staatsbesitz sollen aus der Bewirtschaftung genommen und sich selbst überlassen werden. Unterstützt wird die Idee vom Nabu und Bürgerinitiativen. Eine Waldwildnis-Petition wurde nach Angaben der Initiatoren 2500 Mal unterzeichnet.1500 mal eine Petition mit gegenläufigem Ansinnen. Das sollte aber kein Indikator dafür sein, welche Petition näher am Leben ist. Widerstand kommt aus dem Forst, der Forstwirtschaft und von Bürgern.
Experten sollten das Für und Wider erörtern können, Sachargumente sollten mehr zählen als Überzeugungen und der bloße Wille einer Ministerin. Doch wie soll ein vorurteilsfreies Gespräch möglich sein, wenn die Befürworter sich auf der Seite der Guten wähnen und die anderen die „Baumkahlschlagslobby“ sind. Als sei der Gedanke der nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern den Gegnern der Wildnis so fern wie die Urwälder am Amazonas. All das erweckt den Eindruck, dass die Waldwildnis im Possen mehr ein ideologisches Projekt ist, denn Naturschutz.
Die Grüne setzt sich auch dem Vorwurf aus, sie betreibe eine in der Koalition nicht abgestimmte Unternehmung. Denn vor ihren Parteifreunden stichelte die Ministerin gegen ihre Koalitionspartner, indem sie Ablehnung voraussagte, ja mit einer Koalitionskrise drohte, sollte das Projekt nicht verwirklicht werden. Selten wurde leichtfertiger mit dem Koalitionsfrieden gespielt. Noch dazu mit einem derartig abseitigen Thema. Jedenfalls unterstehen Thüringens Wälder dem Linke-geführten Agrarministerium. In der Staatskanzlei reagierte man rasch auf die Sticheleien. „Eine Krise in der Koalition … anzukündigen ist wie beim Krimi das Ende zu verraten“, twitterte der Linke-Staatskanzleichef. Ein Vermittler zwischen unterschiedlichen Positionen in einer Koalition hätte wohl besser geschwiegen, bevor er vermitteln konnte. In der Thüringer CDU nimmt man die neuerliche Verstimmung in r2g mit Interesse zur Kenntnis.