Was haben wir doch für ein Glück mit unseren Staatsoberhäuptern. Das erste, der König von Preußen weigerte sich bis kurz vor seiner Ausrufung, das ihm angetragene Amt des Kaisers zu übernehmen. Deutscher Kaiser, Kaiser von Deutschland, er wollte eigentlich nichts von alledem sein. Nur König von Preußen sein. Es wurde unter Königen, Fürsten, Großherzögen und Herzögen seinerzeit viel gekungelt vor der Reichseinigung. Nach der Proklamation in Versailles wurde einfach ein Hoch auf Kaiser Wilhelm ausgebracht. Und aus die Maus.
Um das nächste deutsche Staatsuberhaupt wird ebenso gekungelt seit Joachim Gauck mitteilte, er habe andere Pläne als eine zweite Amtszeit.
Die derzeit regierenden Parteien gingen sogar soweit, ihm anzutragen, er solle sich noch einmal wählen lassen. Nach der Hälfte der Amtszeit könne er ja abdanken und Schwarz-Rot würde ihm darob nicht übel nachreden. Das wäre nach dem zurückgetretenen Horst Köhler und dem ohne triftigen Grund aus dem Amt getriebenen Christian Wulff aber ein drittes abbrechendes Staatsoberhaupt. Zuviel davon.
Es folgten kurz rot-rot-grüne Überlegungen und schwarz-grüne ebenso, weil ja die Präsidenten-Kürung auch ein Signal für kommende neuartige Regierungsbündnisse sein kann. Dabei hätte ein schwarz-grüner Kandidat oder eine schwarz-grüne Kandidatin zahlenmäßig ausreichende Chancen, ein rot-rot-grüner nur im dritten Wahlgang. Die AfD hat die Mehrheitsverhältnisse in der 1260 Personen starken Bundesversammlung ordentlich durcheinandergewirbelt.
Namen kursieren bereits von den üblichen Verdächtigen wie Ursula von der Leyen über Baden-Württembergs grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann zur SPD-Familienministerin Manuela Schwesig bis hin zum Autor Navid Kermani. Aber wer will schon als zweite Wahl in ein Rennen geschickt werden, das andere schon abgesagt haben?!
Nun wird eine weitere Volte – wieder hin zu einem schwarz-roten Kandidaten – gemeldet. Das würde eine erfolgversprechendere Ausgangslage schaffen als alles andere. Aber irgendwie getrieben wirken die Parteien schon und sie sind selbst schuld daran.