Ignorieren wir einmal, dass es einen tatsächlichen Unterschied zwischen Mann und Frau gibt, der sich weit unterhalb der Oberfläche, jenseits des Tuns und Lassens manifestiert. Folgen wir einmal dem gendertheoretischen Postulat, dass die Geschlechter so, wie wir sie landläufig zu kennen meinen, bloß soziale Konstrukte seien, nicht Naturgegebenes.
Legen wir all das der Betrachtung zugrunde, dann kommen wir zu dem Schluss, dass sich bei den Grünen je nach Standpunkt derzeit vier Männer um die zwei Posten der Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl im kommenden Jahr rangeln, oder vier Frauen oder drei Frauen und ein Mann oder zwei Männer und zwei Frauen oder drei Männer und eine Frau. Die letzte Aufzählung vermittelt sich dem genderwissenschaftlich ungebildeten Beobachter am leichtesten.
Doch Obacht, die Dinge sind nicht das, was sie von sich dünken, wie Marx sagt. Nimmt man einen unter genderwissenschaftlichem Aspekt extremen Beobachtungspunkt ein, sieht man, wie sich drei Frauen und ein Mann um zwei Posten streiten und der Man gilt als gesetzt, weil er sich auf den den Gender-Frauen unter den Grünen zugebilligten Posten bewirbt. Und noch paradoxer, weil sich kein weiterer Gender-Mann bewirbt, ist der Bewerber auf den Damen-Posten durch. Die neben der Gender-Frau mit Migrationshintergrund die Grünen führende Person hat vor Beginn des Länderrates in Berlin abgewunken. Eine weitere Person, stürzte, wie es heißt, auf einer Treppe und verzichtete auf ihre Bewerbungsrede vor dem Gremium.
Wer unter den Bewerbern letztlich als was gelten kann, muss durch feinsinniges Beobachten herausgefunden werden. Wenn man einen Mann oder eine Frau zu erkennen glaubt, kann sich das binnen eines Augenblicks ändern. Soziale Rollen changieren, sie sind nichts eindeutiges. Freuen wir uns trotzdem auf ein feuriges Stutenbeißen. (Für diese Bemerkung zahl ich 5 Euro in meine Chauvi-Kasse.)