„But the times, they are changing“, singt Robert Zimmermann aka Bob Dylan. Recht hat er. Möge ihm dieses Jahr der Literatur-Nobelpreis zuteil werden.
Doch im Wandel über die Zeiten gibt es stabile Inseln. Erfurts Pech mit Großbauten zum Beispiel, die dem Wunsch eines wichtigen Mannes folgend, in Angriff genommen wurden.
So gab es mal einen Ersten Sekretär der SED-Bezirksleitung, der hielt es der Bezirksstadt für nicht angemessen, dass es keinen ordentlichen Kongressbau gab. Nur die olle miefige Thüringenhalle. Nicht zuvörderst für Treffen von Wissenschaftlern oder anderen Experten, wollte Gerhard Müller bauen lassen. Er hatte den Blick auf die regelmäßig abzuhaltenden Bezirksdelegiertenkonferenzen der einst führenden Partei gerichtet. Ein Platz dafür war rasch gefunden, am Hirschgarten. Störende Hornzien waren rasch abgerissen, die fleißigen Bauarbeiter gruben sich in’s Erdreich. Als der Grundstein gelegt werden sollte, weigerte sich der Wirtschaftsoberlenker Günter Mittag aus Berlin anzureisen. In den Berliner PLanumhen hatte der Bau keinen Platz. Der SED-Bezirkschef meinte, mit „bezirklichen Miteln“ auszukommen. So wurde kein Grundstein gelegt und dem Bau fehlte die notwendige Gründung.
Eine schwedische Firma, so raunte man sich zu, sollte das Kongresszentrum errichten. Die Schweden kamen nicht. Lange huschten die Erfurter deshalb an Wellblechzäunen vorbei hinter denen sich nichts tat. Lange blieb die Baustelle eine Investruine bevor eine Firma für Gesellschaftsbauten aus Buttstädt weiterwerkelte. Projektierte Kapazität etwa 2500 Personen, soviel, wie an den Parteitreffen teilnehmen würden. Gastronomische Kapazität gegen Null tendierend.
Die Wende machte den hochfahrenden Plänen des einzelnen Mannes ein Ende. Es dauerte noch einige Zeit, bis der Beton gewordene Herrschaftsanspruch abgebrochen und die Baugrube verschlossen wurde. Der Hirschgarten ist wieder ein schöner Platz vor der kurmainzischen Statthalterei.
Viele Jahre später sagte der Mitleid provozierende lokale Fußballklub Rot Weiß Erfurt sein Eröffnungsfest in der Multifunktionsarena ein weiteres Mal ab. Wie es scheint, liegt auch auf diesem Erfurter Großprojekt kein Glück.