Jagdszenen in Amsterdam

Fans des israelischen Fußballclubs Maccabi Tel Aviv werden durch die Stadt gejagt. Über die Straße gezerrt, verprügelt, in die Ohnmacht getreten, liegengelassen. Wenige Stunden zuvor noch hatten Ajax-Fans ausgelassen mit ihnen das nach der Hatikva wohl bekannteste hebräische Volkslied „Hava Nagila“ gesungen: „Lasst uns glücklich sein, lasst uns glücklich sein. Lasst uns singen, lasst uns singen.“ Auf dem Dam, am Nationalmuseum. Mit dem wird seit 1956 an die Befreiung der Niederlande vom deutschen Faschismus erinnert.

Und dann – Antisemiten jagen im Dunklen Fußballfans durch die Straßen. Verschleppen sie. Fragen sie unter Schlägen und Tritten: „wo kommst Du her? Zeig mir deinen Pass“ Als wäre die sie nicht befriedigende Antwort ein Freibrief. Als gehörten ihnen die Straßen Amsterdams. Was man in europäischen Städten zuvor schon beobachten konnte – öffentliches Beten auf Straßen und Plätzen gen Mekka als passivaggresive Raumgreifung – wurde in Amsterdam unter Gewalt fortgesetzt. Warum? Weil der Mob den Willen zum Pogrom hatte und weil er ungestört toben konnte.

In der Atomphysik gibt es das Phänomen der Kritischen Masse als Voraussetzung dafür, dass in spaltbarem Material ausreichend Neutronen produziert werden, um eine Kettenreaktion auszulösen. In Amsterdam versammelten sich genügend Antisemiten um sich stark genug für Terror zu fühlen. Kriminologen, Soziologen mögen dem nachforschen, wo derartiges noch möglich sein könnte. Die Antworten werden erschreckend ausfallen.

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