In der Not …

Nun also soll 3R der Linke im schönsten Freistaat für fünf weitere Jahre Machtoptionen eröffnen, die mit R2G verlorengegangen sind. Aus Berlin, vom früheren Fraktionschef im Bundestag heißt es, eine Koalition mit der Wagenknecht-Partei und der SPD sei vom Feinsten. Zweifel sind angebracht.

Nach dem Verlust mehr als der Hälfte der Stimmen gegenüber 2019 bliebe der Linke in einem solchen Bündnis gerade einmal die Rolle des Juniopartners. Linke 15 Prozent, BSW 19 Prozent (aus dem Stand) weisen Umfragen zwei Wochen vor der Landtagswahl aus. Das allein aber sollte kein Hindernis sein, für eine Partei, die gestalten will (an der Macht bleiben will). Wäre da nicht der Kleinste in der gewünschten Partnerschaft. Der SPD-Landeschef hat auf dem Wahlparteitag vor wenigen Wochen bezweifelt, dass der derzeitige MP noch Gestaltungskraft besitze. Ihm gelinge es nicht mehr, „verlässliche und schnelle Verabredungen mit der Opposition“ zu treffen. Das würde angesichts einer weiter wachsenden AfD im Landtag mit Sicherheit noch schwieriger. Die Frage, ob der Ministerpräsident „absehbar noch die politische Kraft haben wird, das Land weitere fünf Jahre zu führen, wird sich irgendwann stellen“. Der SPD-Chef konnte schon damals ahnen, dass „irgendwann“ die Zeit nach dem 1. September sein würde. Der kann es nicht mehr, ist die Botschaft. Politische Kraft erwächst ja nicht nur aus dem Charisma eines Politikers, sie nährt sich vor allem aus der Kraft und/oder der Schwäche seiner Partei. Und um die Linke steht es eher nicht gut nach weiteren fünf Jahren.

Kommt die fehlende Weitsicht des wichtigsten Politikers der Thüringer Linke hinzu, was er mit ätzender Polemik übertünchen wollte. Beim Jahresempfang seiner Fraktion im Landtag und in diversen Interviews stellte er, sicher zum Amüsement seiner verbliebenen Wähler, ernsthaft die Frage, ob das Bündnis Sahra Wagenknecht eine Sekte sei oder schon ein Kalifat. Er spielte damit auf das Aufnahmeprozedere des BSW an. Wer der Partei beitrete sei handverlesen. Mit 40 Mitgliedern, so der Politiker bei dem Empfang, maße sich die Phantom-Partei, „die aus unserem Fleisch entstanden ist“, an, „da drinnen“ – er machte eine knappe Geste in Richtung Plenarsaal – eine der großen Fraktionen zu werden. Nun macht der Wähler aus der Partei, die der Linke ein Phantom nennt, wie auch aus deren Chefin eine ernsthafte Gefahr.

Aus einer Partei, die 2019 siegen konnte und fünf Jahre später nur so halb, machte er einen aufgescheuchten Haufen, der erneut vor der Abwahl steht und der mit öffenlichem Überlegen darüber, mit wem im Bündnis man sich noch retten könnte, Wähler verwirrt. Wie sagt der Volksmund? In der Not frisst der Teufel Fliegen.

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