Frauen schlägt man nicht

Es gehört hierzulande zu den grundlegenden Erziehungszielen, Menschen mit X- und Y-Chromosomen beizubringen, dass Frauen nicht geschlagen werden. Zuhälter, so hört man, richten unwillige Mädchen mit Schlägen her. Nicht ins Gesicht. Schlägt ein Mann seine Frau, seine Freundin, spricht man von einer toxischen Beziehung. Sagen wir mal so, dem englischen Dichter Byron, der gern boxte, wäre es nicht eingefallen, gegen eine Frau anzutreten. Ein Gentleman.

Männer und Frauen treten in Kampfsportarten aus gutem Grund nicht gegeneinander an. Es sei denn bei den Olympischen Spielen. Da genügt es zu erklären, man lebe als Frau, man lässt sich das in den Pass, den Personalausweis eintragen und schon kann man eine andere Frau auf die Matte legen. Ippon oder Shido, auf der Matte, meinen die Herren vom IOC, genügt es, mit gleichem Körpergewicht gegeneinander anzutreten. Im Boxring treffen eine nach eigenem Wunsch Algerierin und eine Bekenntnis-Taiwanesin auf Frauen. Das ist nur unter den olympischen Ringen möglich. Bei der jüngsten Boxweltmeisterschaft fielen beide durch den Geschlechtstest durch. Der geht anders als der angebliche Geschlechtstest nach der Papstwahl in früheren Jahrhunderten. Man stelle sich vor, der Gewählte setzt sich auf einen speziell konstruierten Stuhl und ein Mönchlein musste nachschauen, ob es eventuell ins Leere schaut. Keine Testikel, keine Papstwürde. Eine skurrile Geschichte, nicht mehr.

Nein, die Geschlechtstest bei in Frage stehenden Boxern wenden sich an‘s Blut. Es wird die Testosteronkonzentration erfasst. Auch bei Frauen ist das Hormon für Knochenaufbau und Muskeln wichtig. Junge Kerle haben das im Übermaß, zwar variierend, aber in höherem Maße als ältere Herren. Die IBA legte nen Grenzwert fest. Bei beiden lag der erfasste Wert darüber, Ergo Test nicht bestanden, Disqualifikation. Bei der Box-WM in Neu Delhi 2023.

Das IOC legt andere Maßstäbe an, an den Boxsportverband und an die, die sich als Frauen verstehen. Die IBA wurde 2022 mit einem Embargo belegt und im Jahr darauf vom IOC ausgeschlossen. So war das Komitee frei, die Regeln der IBA zu ignorieren. Ein IBA-Offizieller macht im vergangenen Jahr klar, die Probanden hätten sowohl X als auch Y-Chromosomen. Männlicher geht es wohl nicht. Biologisch betrachtet. Ob der Anspruch auf das Frausein mehr ist als nur eine Marotte, will das IOC erst gar nicht wissen.

So treffen im Ring und auf der Matte der Lesart des Internationalen Olympischen Komitees entsprechend Menschen aufeinander, bei denen der eine nach Einschätzung von Experten Vorteile hat, wie sie ein Mann in einer körperlichen Auseinandersetzung mit einer Frau hat. Selbst wenn sie gleich schwer ist. Das IOC nennt das inklusiv und beruft sich zur Rechtfertigung unter anderem auf Stellungnahmen des neu geschaffenen Boxsportverbands Boxing Unit. Neuer Verband, neue Regeln. Das kann das IOC sportlich nennen. Man kann es aber auch als unfair ansehen.

Hinterlasse einen Kommentar