Handauflegen

Handauflegen begründet die ununterbrochene Nachfolge der Bischöfe in der Katholischen Kirche auf Petrus – auf den Jesus bekanntermaßen seine Kirche bauen wollte. Nun will ein schwer angeschlagener US-Präsident auf dem Rückzug einen ähnlichen Ritus für Präsidentschaftsbewerber der Demokraten einführen. Bislang entschieden Mehrheiten unter den für die Demokraten registrierten Wählern, wer gegen den bei den Republikanern auf gleiche Weise kreierten Kandidaten antreten soll.

Noch wenige Stunden vor seinem Vorschlag und dessen Begründung – sie ist die Beste – fühlte sich der derzeitige Amtsinhaber nach, wie man annehmen sollte, reiflicher Überlegung und Beratung mit Vertrauten und Familie noch stark genug, um gegen den Herausforderer anzutreten. Und zu gewinnen. Dann fügte dem ein erfolgloser, nun toter Attentäter, in der Absicht, den Republikaner zu töten, lediglich ein Loch in die rechte Ohrmuschel zu. Prompt wurde die Kompresse auf der Wunde zum Crooks-Mal, um im biblischen Gedankenkreis zu bleiben.

Was nach menschlichem Ermessen als tödlicher Kopfschuss gedacht war, machte den Vorgänger des derzeitigen Präsidenten nur noch stärker. Wie das so ist. Was uns nicht tötet, macht uns stärker. Und von da an war für die Demokraten alles anders. Der schöne Kandidat galt als im Rennen aussichtslos. Zwei nahezu Gleichaltrige – der eine augenscheinlich senil, der andere ein Verurteilter aber mit der Hand Gottes auf seiner Schulter – das kann nicht gut ausgehen für die Demokraten.

Wie passend musste der eine mit Covid in häusliche Pflege in die Heimat und wurde für Tage unsichtbar. Von dort teilte er über Twitter mit, er fühle sich nicht mehr stark genug für den Wahlkampf und eine zweite Amtszeit. So machte er sich zur lahmsten Ente, die ihm je im Amt vorangegangen war. Wichtige Leute in der Partei, darunter ein Präsident mit Friedensnobelpreis geben nicht zu erkennen, ob sie die Stellvertreterin unterstützen. Dennoch hat sie ohne die Wähler der Demokraten von sich überzeugen zu können – sie war ja immer nur die benannte Zweite hinter dem noch nicht gekürten Kandidaten – die meisten Delegierten des Nominierungskonvents hinter sich, werden Quellen aus der Partei zitiert. Eigentlich könnten die Demokraten triumphieren. Immerhin haben sie nun durch Zufall eine knapp 60 Jahre alte PoC als Kandidatin für das wichtigste Amt der Welt nach dem Papst. Ihr Kontrahent ist der älteste Bewerber um den Schreibtisch im Oval Office.

Die Frau hätte nur einen schwerwiegenden Makel. Sie könnte in jeder Wahlkampfrede der Konkurrenz, in jedem Gespräch in der Mittagspause als die Kandidatin der regierenden Eliten vorgeführt werden. Und bis zum Wahltag im November ist‘s noch weit.

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