Ganz am Anfang war ein Film. Marcello Mastroiani in der Rolle des Fahrlehrers Marco Mazetti, der schwanger wurde. Damals war Transgender noch nicht das Thema. Dann gab es ein Remake mit Arnold Schwarzenegger. Und mittlerweile weiß man von Männern, die Kinder gebaren, die sie empfangen hatten, als sie noch Frauen waren, oder sich das wichtigste Stück Frau zu sein zumindest zeitweise erhalten wollten. Das Leben ändert halt die Menschen. Wer strebt nicht danach, dass es einen besser macht oder wenigstens sich besser fühlen lässt.
Am New Yorker Mount. Sinai Center for Transgender Medicine und Surgery wurde jetzt vorgeblich ein weiter Schritt getan. Eine Transgender-Frau, vulgo ein Mann im falschen Körper, wurde durch reichliche Hormongaben dazu gebracht, Milch zu geben. Anfangs nur wenige Tropfen. Am Ende ausreichend, um einen Säugling zu nähren, dessen Mutter – aus welchen Gründen – auch immer nicht stillen wollte. Nach sechs Wochen wurde das ganze abgebrochen. Aus Sorge, die Transgender-Frau könne nicht genug Milch geben, wurde begründet. Armes Kind, das nach sechs Wochen entwöhnt wird, während die Mutter es liebevoll im Arm hält und ihm das Fläschchen gibt. Und das alles ohne Not.
Eine der behandelnden Ärztinnen nannte das Ganze eine große Sache. Erstmals sei es gelungen und so weiter und so fort. Nicht ganz. Denn Alexander von Humboldt beschrieb einen ähnlichen Fall. Vom 32 Jahre alten Bauern Francisco Lozano berichtet er. Der habe seinen Sohn mit der eigenen Milch gestillt. Die Mutter war krank. Um das Kind zu beruhigen, holte er es in sein Bett und drückte es an seine Brust. Allein dass das Kind an der Warze sog, bewirkte den Milchfluss, berichtet der hochgerühmte Forscher. Fünf Monate, so die Schilderung von Humboldts, stillte der Bauer zwei- bis dreimal täglich sein Kind. Ohne Vorbereitung durch Hormone. Auch ohne die Frage, weshalb das Ganze veranstaltet werden muss. Nur weil eine Frau für sich beschlossen hat, nicht zu stillen. Und ohne begleitende Debatte, was Transgender-Personen können und dürfen sollten. Und vor allem, ob gleichberechtigte Elternschaft überhaupt möglich sei, wenn der männliche Partner sein Kind nicht auch stillt. Und damit wären wir im Bereich der Weltanschauung, der Ideologie.
Dabei wurden noch nicht einmal Fragen nach den komplizierten ethischen Implikationen gestellt. Auch nicht, die ganz einfach zu beantwortende Frage, ob das Kind nicht mindestens das Recht hat, nicht Versuchsperson in einem medizinischen Experiment zu sein.