Uiuiui, da hat die Linke-Spitzenkandidatin zur Bundestagswahl am Wahlabend noch einmal Glück gehabt. Lediglich „Rechtspopulismus“ nannte eine Thüringer Landtagsabgeordnete den Hinweis ihrer Genossin, die Verluste im Osten (in Thüringen immerhin 80000 Stimmen für die Linke weniger als 2013) könnten darauf zurückzuführen sein, dass die „Stimme des Ostens“ es sich in der Flüchtlingsfrage zu leicht gemacht habe. „Es kotzt mich an. Anstelle klarer antirassistischer & antifaschistischer Politik (Wahlprogramm!!!) immer wieder dieser Rechtspopulismus.“, so ging der Tweet. Die Düsseldorfer Wahlkreiskandidatin hatte da noch Glück, denn das Antonympaar zu „antifaschistisch“ und „antirassistisch“ ist „faschistisch“ und „rassistisch“. Die Antifaschismussprecherin der Thüringer Landtagsfraktion die Linke fasst derartige Begrifflichkeiten sonst immer zu „Nazi“ zusammen. Aber eine Genossin „Nazi“ zu nennen, ging ihr wohl doch zu weit. Man kann das dennoch eine Klimax nennen. Vor Monaten brachte eine ähnliche Äußerung der Linke-Fraktionschefin im Bundestag den Kommentar der Berliner Linke-Spitze ein, sie rede immer so eine Scheiße. Steht eigentlich in irgend einem Linke-Grundsatz-Papier, dass Genossinen vor allem eins nicht tun sollen, sich gegenseitig öffentlich beleidigen. Dass sie sich sympathisch sind, wer erwartet das von Politikerinnen?
Vielleicht liegt ein Teil der Antwort, auf die Frage, warum die Linke im Osten 2017 schlechter dasteht als 2013 und als es dem Wahlversprechen, drittstärkste Kraft im 19. Bundestag zu werden zuträglich gewesen wäre darin, dass man selbst als wohlwollender Wähler nicht wusste, wie tief zerissen die Linke in dieser Frage ist und welchen Flügel der Linke man mit seiner Stimme stark gemacht hätte. Damit wäre noch nicht einmal in Erwägung gezogen, dass es mit Blick auf Teile des eigenen Klientels sicherlich konsequent, jedoch mit Blick, auf das selbst gestellte Wahlziel verwirrend war, in einem Umfeld, in dem vor der Wahl die Flüchtlingsfrage als wichtigste Frage charakterisiert wurde, ein Einwanderungsgesetz von Links zu promoten, demzufolge man schon einwandern dürfte, wenn man ein Ehrenamt ausüben will und lediglich Menschen nicht dauerhaft einreisen dürften, die Straftaten begehen oder spionieren wollen, Waffen mit sich führen oder wegen eines Kriegsverbrechens verurteilt worden seien. Nun kann man nicht genug darauf verweisen, dass es absonderlich ist, wenn da, wo die wenigsten Menschen mit Migrationshintergrund leben, die höchsten Werte für Furcht vor ihnen und für ihre Ablehnung gemessen werden. Ja!
Die Linke kann weiter versuchen, mit ihrer „antirassistischen Aufklärungsarbeit“ die Leute umzuerziehen. Nur hat das in den vergangenen zwei Jahren augenscheinlich nicht gefruchtet. Zur Erinnerung: mit dem Anti-Euro-Wahlkampf kam die AfD 2013 nicht über die Fünf-Prozent-Hürde. Dieses Jahr errang sie bundesweit über 12 Prozent und wurde im Osten zweitstärkste politische Kraft. Die Chancen dürften also nicht gut stehen, dass es fruchtet, wenn man fortwährend den Eindruck erwecken will „alles Nazis und Rassisten, außer uns“. Wenn man es nur oft genug geschrien hat, hören einem die anderen nicht mehr zu. Die knapp 1000 AfD-Mitglieder in Thüringen sowieso nicht. Aber auch nicht die 294045 Thüringer AfD-Wähler. Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit.