Das Bodo-Prinzip

„In a hierarchie every employee trends to rise to his level of incompetence.“ Laurence J. Peters Beobachtung: in einer komplexen Hierarchie wird jedes ihrer Mitglieder so weit befördert, bis es sein höchstmögliches Maß der Inkompetenz erreicht hat. Peter bereicherte mit seinem Buch „Das Peter-Prinzip“ die amerikanische Management-Literatur und die weltweit Myriaden von Debatten unter Kollegen und Kontrahenten, wer eine Beförderung verdient habe und wer nicht. Und vor allem, wessen Beförderung das Wirken des Prinzips am ehesten veranschaulicht.

Auf den ersten Blick hat die SPD im Thüringer rot-rot-grünen Kabinett die Wirksamkeit des Peter Prinzips vor Augen geführt. Und das kam so: als 2014 die drei Nicht-Wahlsieger aber einzig möglichen Parteien für eine Koalition miteinander verhandelten, was sie binnen fünf Jahren erreichen wollten, fiel auch das Wort Verwaltungs-, Gebiets- und Weißichwasnochreform. Der designierte Ministerpräsident, so lässt er sich 32 Monate später vernehmen, wunderte sich damals schon, dass die SPD, die das Innenministerium bekommen sollte, trotz des sehr komplexen Vorhabens dort nur einen Staatssekretärsposten beanspruchte.

Ein Urteil des Landesverfassungsgerichts zum größten Reformvorhaben der Dreierkoalition später kam im Vorfeld eines Koalitionsausschusses, auf dem das weitere Vorgehen festgelegt werden sollte, aus der Fraktion der Partei des Ministerpräsidenten die Forderung, dem Innenminister möge ein zweiter Staatssekretär eigens für Reform an die Seite gestellt werden. Und so verschärften sich die Probleme der SPD. Mit wem den Posten besetzen, den man selbst nicht gefordert hatte. Drei Landräte und eine Landrätin – mögliche vorweisbare Kandidaten – hatten kurz zuvor die größtmögliche Distanz zum Projekt klar gemacht. Nur einer, der mit der schlechtesten Bilanz, unterschrieb den Brief nicht. Er war nach der Wende einmal hoffnungsvoll und Hoffnung verheißend als der jüngste Landrat gestartet und hat seinen Kreis dann systematisch so geführt, dass ihm vor fünf Jahren ein Aufpasser, ein Landrat a. D. aus dem Bundesland an die Seite gestellt wurde, in dem die sprichwörtliche sparsame Hausfrau wohnt. Dass Kritik von der CDU ob der Benennung kommen würde, war sicherlich vorausgesehen. Aus der Linke-geführten Staatskanzlei hieß es zur Personalwahl scheinbar triumphierend, dass der SPD-Mann, noch jedem der Gegenkandidaten von der CDU in den zurückliegenden Wählen den Schneid abgekauft habe. Bei weniger als 50 Prozent Wahlbeteiligung bei der letzten Landratswahl und 51 Prozent der abgegebenen Stimmen relativiert sich dieser Erfolg erheblich.

Noch bevor den Koalitionspartnern die Personalie bekannt gegeben worden war, war sie in der Öffentlichkeit breitgetreten und negativ kommentiert worden. Darüber, dass man aus dem Radio davon erfahren hatte, reagierte der grüne Koalitionspartner erkennbar verschnupft. Und als ob der Schaden für die SPD nicht schon groß genug wäre, musste deren Landesvorstand, nachdem alles klar zu sein schien, auch noch „Gesprächsbedarf“ signalisieren. Der Mann, der eigentlich vor der Bekanntgabe sich hätte entschieden haben müssen, will erst Tage nach der Bekanntgabe seines Namens bekanntgeben, ob er wolle.

Rechtzeitig zu den Neuwahlen in Thüringen kann der 50. Jahrestag der Erstveröffentlichung des Buches „Das Peter-Prinzip“ begangen werden. R2G ist in Thüringen in eine reichlich zwei Jahre dauernde Vorbereitungszeit eingetreten, in dem in der rot-rot-grünen Koalition das Peter-Prinzip durch das Bodo-Prinzip ergänzt wurde. Und das lautet: in politischen Dreierkoalitionen ist es nicht ausgeschlossen, dass selbst der nicht kleinste Koalitionspartner in eine Situation gebracht werden kann, in der er Personalentscheidungen treffen muss, die für ihn in der jeweiligen Lage den größtmöglichen politischen Schaden anrichten können. „In a governmental coalition of three parties even the not smallest partner can be manoeuvred into a situation in which it is forced to human ressources decisions which can effect the biggest possible disaster“

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