Verlierer sind keine Gewinner

Ist der eigentliche Wahlsieger der NRW-Wahl 2017 die Partei Die Partei? Das sind die, die mit dem Verkauf von Geld den Verkauf von Gold durch die AfD parodieren und etwas stärker von der Parteienfinanzierung durch den Bund profitieren wollten. Letztmalig vor der Landtagswahl machte die Partei Die Partei Furore, als sie den Vater des Parteichefs, der immerhin im Europaparlament einen Sitz hat, zur Wahl des Bundespräsidenten präsentierten. Dann, am 14. Mai, konnte die Partei Die Partei ihren Erststimmenanteil vervierfachen (2012: 6362; 2017: 25919). Gegenüber 2012 bekam die Partei mehr als doppelt so viel Zweitstimmen (2012: 22915; 2017: 55019). Hat jemand einen Vertreter der Partei die Partei für sich reklamieren hören, man gehöre zu den Wahlgewinnern? Nein. Es würde zwar als subtiler Scherz aufgefasst werden können, wie anders bei einer Spaßpartei. Aber es wäre doch nichts anderes als ein politischer Witz.
Nicht anders als bei einem sportlichen Wettbewerb ist bei einer Parlamentswahl der Zweitplatzierte schon der erste Verlierer. Er könnte zwar darauf verweisen, nicht das schlechteste aller Wahlergebnisse eingefahren zu haben und in den zurückliegenden Monaten auch zigtausend neue Mitglieder gewonnen zu haben. Er taugt bei den nachfolgenden Verhandlungen zur Regierungsbildung – wenn er nicht fähig ist, aus machtpolitischem Kalkül heraus eine alternative Koalition jenseits des eigentlichen Wahlgewinners zu formen – aber nur zum Juniorpartner ohne Richtlinienkompetenz. Gut, an der Parteispitze würde es Veränderungen geben, zumal, wenn man aus der Regierungsverantwortung gewählt worden wäre. Der Zweitplatzierte könnte sich aber noch glücklich schätzen, als parlamentarische Opposition wahrgenommen zu werden. Er würde in Landtagsdebatten gehört. Parteisoldaten und deren Wasserträger würden für die nächste Legislatur staatlich alimentiert. Seine parlamentarischen Experten würden gefragt werden, wenn die Medien eine Gegenposition zur Regierungspolitik verdeutlichen wollten. Aber das erklärte Ziel Regierungsverantwortung wäre nicht erreicht. 
Wie weit ist dann die Behauptung man gehöre zu den Wahlgewinnern von der Wirklichkeit entfernt, wenn sich zwar – bei gestiegener Wahlbeteiligung – die Wählerzahl fast verdoppelt hätte, aber der Sprung ins Parlament nicht geschafft wurde. Noch dazu, wenn am anderen Rand des Parteienspektrums einer anderen Partei das aus dem Stand gelungen ist, was man nicht gut finden muss. Sich als Sieger zu bezeichnen, ist dann nicht mehr als weiße Salbe.

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