Entzaubert. Abgewählt. Die zweite Wahl seit der 100-Prozent-Nominierung des Arbeiterkaisers ging für die Sozialdemokraten verloren. Nicht stärkste Fraktion im Landeshaus in Kiel, ergo keine erfolgversprechende Aussicht auf einen Auftrag zur Regierungsbildung, den Einzug der AfD nicht verhindert. Und obendrein eher den Wähler-Hinweis bekommen, das rot-rot-grüne Projekt in NRW und in Berlin nicht ins Schaufenster zu stellen. Die Linke verpasste den Einzug in Schleswig-Holsteins Landesparlament. Schon ist latenter Druck der Erfolglosen auf den Wunschkoalitionspartner Grüne zu vernehmen, nicht mit CDU und FDP zu koalieren.
Wann beginnt nach der neuerlichen Niederlage das Nachdenken darüber, ob der richtige Mann zum SPD-Chef und zum Spitzenkandidaten für die Wahl am 24. September gemacht wurde. Da wird es umso mehr schmerzen, dass die Grünen vom Niedergang des großen Koalitionspartners nicht wesentlich in Mitleidenschaft gezogen wurden. Es war eine Landtagswahl mit besonderen Vorzeichen, analysieren die Sozialdemokraten. Sie müssen nachdenken und das Ergebnis kann nicht einfach sein, lediglich darauf hinzuweisen, der abgewählte Ministerpräsident habe in der persönlichen Präsentation zu viele oder zu große Fehler gemacht. Dass er noch mal am Tag vor der Wahl darauf hinwies, doch besser den zu wählen, der es fünf Jahre besser gemacht habe als der Newcomer von der CDU, also ihn, hat nicht gezogen. Personelle Konsequenzen, dazu bedarf es keiner Prophetie, vorauszusagen, werden nicht an der SPD-Spitze gezogen werden. Aber die Sozialdemokraten müssen umdekorieren.
Für die Linke, war es nicht erfolgbringend, an Ängste der Wähler zu appellieren und alles, was jenseits einer linken Regierungsbeteiligung angestrebt wurde, als „rechts“ zu denunzieren. „Wer eine rechte Mehrheit im Parlament verhindern will, muss die Linke rein wählen“, hatte der Linken-Wahlkampfmanager im Internet plakatieren lassen. Das ist mehr als bloßes Wahlkampfgetöne. Nun muss die Partei argumentieren, warum Schwarz-Rot, oder gegebenenfalls die Verlierer-Ampel – wenn die Grünen nicht mit der CDU und der FDP eine Regierung bilden wollen – Rechtskoalitionen sein sollen. Mit Sozialdemokraten und Grünen hätte man ja gern das r2g-Projekt nach Kiel getragen und nach Düsseldorf und Berlin will man es auch noch tragen. Zwischen Linken und Rechts liegt immer noch die Mitte.