Dieser Tage habe ich meine Lieben erfreut. Mit einem Geflügelsalat. Hähnchenkeulen weich gekocht, Haut und Knochen entfernt, das Fleisch nur gerupft, nicht geschnitten. Nur minimal Salz dran, Mayonaise. Aber dann hab ich nicht aufgehört. Noch Ras el Hanout dazu, kleingeschnittene getrocknete Aprikosen und Rosinen dazu und da ich schon mal mit süß unterwegs war, dacht ich, extra Zimt wäre passend. Ich hätte ihn Maghrebinischen Geflügelsalat nennen müssen, klar. Doch hab ich das ganze Persischen Geflügelsalat genannt. Ob es den so gibt, ist mir schnuppe. Ungeachtet dessen, er war delikat. Meine Phantasie hat mich geleitet, spätestens als ich den Zimt hinzufügte. Es war ein Gewinn.
Nun kann darüber debattiert werden, ob ich recht getan habe, mich von etwas anderem leiten zu lassen, als den vorgegeben Rezepten. Und schon wären wir mittendrin in der Debatte, was Leitlinien bringen, was eine Leitkultur brächte und wie sie auszusehen habe. Das Thema ist hartnäckig und dass es wieder von konservativer Seite aufgebracht wird, und Leute, die sich progressiv wähnen die Debatte mindestens verweigern, zeigt nicht, dass die Debatte nicht geführt werden sollte. Der grüne Spitzenkandidat zur Bundestagswahl zumindest ist überzeugt, man solle sich nicht auf das beschränken was als deutsch verstanden werden könnte oder sollte oder müsste, sondern es auf das Europäische erweitern. Das kann man einen positiven Diskussionsbeitrag nennen.
Die anderen Progressiven fühlen sich angemacht, wie zu Zeiten der verkündeten „geistig moralischen Wende“, wie vor 17 Jahren, als der damalige Unionsfraktionsführer im Bundestag schon einmal darüber reden wollte und bi nachfolgendennAnlässen. Schon werden Schlagworte vorgetragen, die den Unwillen zeigen. „Kinderwagen aufstellen verboten“, „Rasen betreten verboten“, „Ball spielen verboten“, „Schweinefleisch und Rechtsverkehr“. Das hat man alles schon mal gehört. Das sind Verballhornungen dessen, worum es in der Debatte gehen könnte. Hymne, Flagge, Patriotismus, igitt. Die Co-Vorsitzende der Linken, meinte zum Ende des Liberalen-Parteitages, sich eine „Hymnenmitsingpflicht“ verbitten zu müssen. „Hatt‘ ich schon vor 89. Ohne mich.“ Das mitzuteilen, schien ihr wichtig. Nur, in der DDR war „Deutschland einig Vaterland“ lange vor 1989 politisch nicht mehr so en vogue. Da kann es nicht versöhnen, dass der Bundesinnenminister seine Vorstellung von Patriotismus ausdrücklich an den Brechtschen aus der Kinderhymne bindet. Seine zehn Punkte, die als Einladung zu einer Debatte in Vorwahlzeiten platziert wurden, und die man ja für sich selbst nicht als relevant ansehen muss, werden ausgegeben als Produkt der Angst vor der AfD. So, als sei es ilegitim um Wählerstimmen auch in anderen politischen Lagern zu ringen. Machen das die Grünen nicht, die besonders darauf angewiesen sind, nicht die Linke, nicht die SPD? Ihre Wahlprogramme sollen die Vorstellungen der jeweiligen Partei dem Wähler nahe bringen, wie Deutschland nach ihrem Wahlsieg aussehen möge. Das Gegenteil einer Leitkultur ist ja wohl auch nur eine Leitkultur.