Es steht zu vermuten, dass in der SPD nur wenige Leute geglaubt haben, man müsse einen Rückzieher aus Brüssel in der Partei nur zu 100 Prozent an die Spitze der Partei wählen und ihm mit 100 Prozent den Spitzenplatz auf einer Landesliste geben, und schon könnte keine der nachfolgenden Wahlen verloren gehen. Gestern ist die erste Wahl verloren gegangen. Trotz aller Ehrentitel von Arbeiterkaiser über Gott-Kanzler bis Schulz-Zug.
Die Saarwahl ist verloren gegangen, gemessen am verkündeten Ziel, stärkste Partei zu werden und gleich noch das Parteien-Parallelogramm hin zu R2 oder R2G – auch in Berlin – verschieben zu wollen. Sie ist verloren gegangen, auch gemessen an der um zehn Prozentpunkte größeren Wahlbeteiligung und einem dennoch schlechteren Ergebnis, als bei der Landtagswahl zuvor. Die Aussicht auf Rot-Rot hat augenscheinlich wenig mobilisiert. Oder hat sie gar abgeschreckt? Kramp-Karrenbauer holte Nichtwähler an die Wahlurnen, nicht Schulz.
Er vermochte nur, Sozialdemokraten für Wochen siegestrunken aussehen zu lassen, nicht Wähler zu begeistern. Nun muss die Sozialdemokratie den Mann, den sie selbst erhöht, dessen Image sie überhöht hat, auf das Normalmaß eines Wahlkämpfers zurückstutzen. Ja, ja, der Einwand gilt, der Arbeiterkaiser stand zum Landtag in Saarbrücken nicht zur Wahl. Doch sein Name überspannte den Wahlkampf. Und geholfen hat das nicht.