“Allerdings stellt sich die Frage nach der Verhältnis- und Rechtmäßigkeit, weil insgesamt knapp 1000 Personen allein aufgrund ihres Aussehens überprüft und teilweise festgesetzt wurden.“ „Allerdings stellt sich die Frage nach der Verhältnis- und Rechtmäßigkeit, wenn . insgesamt knapp 1000 Personen allein aufgrund ihres Aussehens überprüft und teilweise festgesetzt wurden.““Allerdings stellt sich die Frage nach der Verhältnis- und Rechtmäßigkeit, falls insgesamt knapp 1000 Personen allein aufgrund ihres Aussehens überprüft und teilweise festgesetzt wurden.“
Drei Sätze zum Vorgehen der Polizei in Köln in der Silvesternacht. Nur einer wurde berühmt. Ihn ausgesprochen zu haben, wurde als Fehler erkannt. Es sind drei Konditionalgefüge, wie sie bei Politikern beliebt sind, wenn sie sich in Abstufungen nicht festlegen wollen oder eben doch. Die drei Sätze unterscheiden sich nur durch die Konjunktionen „falls“, „wenn“ und „weil“ und liegen in ihrer politischen Wirkung weit auseinander. Mit „falls“ gäbe der Urheber des Satzes zu verstehen, es bleibt ein zu beachtendes Maß an Ungewissheit. Die Polizei könnte noch andere, ihm gegenwärtig nicht bekannte Kriterien angelegt haben. Seine Quellen, Nutzer der sozialen Netzwerke hätten in die Echo-Kammer zwar zuhauf von „racial profiling“ berichtet. Er habe aber noch Fragen. Die Konjunktion „weil“ ließe dieses Körnchen der Unsicherheit nun gar nicht mehr erkennen. Das Urteil stünde fest: nicht verhältnismäßig, nicht rechtmäßig. Bei „wenn“ ist es nu ja, nu nee. Es bleibt viel Raum für Interpretationen und gegebenfalls nötige Fehlereingeständnisse und Relativierungen. Unterstützer können vorbringen, man habe ja nur eine Frage gestellt. Und dass müsse ja wohl noch erlaubt sein. Werden Fragesätze, selbst rhetorische, die ihre Antwort schon in sich tragen und mehr Behauptung sind als Frage, nicht mehr mit einem Fragezeichen beendet?
Mindestens ein Redakteur der Rheinischen Post hat den Satz mit „wenn“ aufgeschrieben, ihn als Kritik am Vorgehen der Polizisten verstanden und das mit seiner Überschrift deutlich gemacht. Andere Journalisten, landauf, landab haben es ebenso gesehen und die Meldung nebst Überschrift übernommen. Anzuschauen in der Tagesschau, in der FAZ, in anderen regionalen und überregionalen Zeitungen. Der Eindruck, der erweckt wurde war verheerend. Das Thema Sicherheit wird in diesem Wahljahr zum alles beherrschenden Thema. Die Wirtschaftslage ist ja bestens.