Katzeklo ist ein hinreichend inhaltsleeres Wort, dass es Mitglieder und Anhänger der Linke, der Grünen, der SPD, der FDP, der Union und der AfD in den Mund nehmen könnten, ohne erläutern zu müssen, was sie damit meinen. Sie müssen sich auch nicht darum scheren, dass Links und Rechts anhand des Wortes nicht zu unterscheiden wären. Pickelhering ist ein ebensolches Wort.
Ganz anders „soziale Gerechtigkeit“ oder „neoliberal“. Die Linke baut ihren bevorstehenden Bundestagswahlkampf darauf auf und verspricht, soziale Gerechtigkeit zu schaffen, indem sie die neoliberale Wirtschaftspolitik von Rot-Grün und Schwarz-Rot der vergangenen Jahre zurückdrängen werde – wenn sie denn in Regierungsverantwortung in Berlin gewählt wird. „Soziale Gerechtigkeit“ als ihren Markenkern will die Linke dem Wähler nahebringen. Auch Grüne, Sozis, Liberale, Christdemokraten und Christsoziale, davon kann man ausgehen, werden nicht mit dem Wahlversprechen antreten, soziale Ungerechtigkeiten zu verschärfen. Im Gegenteil. Ein Alleinstellungsmerkmal hat die Linke mit dem Versprechen „soziale Gerechtigkeit“ also nicht. Das vierköpfige Spitzenduo weiß das, wetten. Und so koppelt es bei jeder Gelegenheit „sozial gerecht“ und Linke. Ähnlich verhält es sich mit dem Verdikt „neoliberale Wirtschaftspolitik“. Nur dass da die Kopplung lautet „neoliberal, die anderen“.
Gestern machte der Abgeordnete BH von der AfD im Thüringer Landtag allen versammelten Parteien den Vorwurf, neoliberale Wirtschaftspolitik betrieben zu haben. Eine sozial gerechte Gesellschaft, solidarische sei das Ziel seiner Partei. Man wird das noch oft hören. Wer soll das glauben? Nun kann man sagen, die Blauen klauen bei den Roten. Man kann es auch ignorieren. Aber wie kompliziert wird es, im Wahlkampf immer verkünden zu müssen: „Wir Linken stehen für soziale Gerechtigkeit, aber nicht für die, die die AfD meint.“ Der Wahlkampf wird verwirrend.