Sage niemand, aus einer zunächst aus der Thüringer Koalition heraus als Effekthascherei abgelehnten Landtagssondersitzung zu Sicherheitsfragen könnte nicht doch eine wichtige Debatte erwachsen, in der Schwächen der CDU aber auch der Regierungsparteien deutlich würden. Die Linke, die nicht den Innenminister in Thüringen stellt, verbreitete, nachdem die CDU-Landtagsfraktion die Sondersitzung beantragt hatte, eine Pressemitteilung mit der Überschrift: „Wirksame Maßnahmen statt hysterischer Sicherheitsesoterik“. Kritik wurde darin vor allem am CDU-Antrag geübt. Aber es wurde auch eingeräumt, dass es „ein berechtigtes Interesse nach wirksamen Sicherheitsmaßnahmen in der Bevölkerung“ gibt. Wirksam seien die, „wenn sie der tatsächlichen Gefahrenlage entsprechen und nicht an hysterische Debatten oder pure Sicherheitsesoterik anknüpften. In der Pressemitteilung mag der Unmut darüber mitgespielt haben, dass die veränderte Sicherheitslage in Deutschland und Thüringen bereits am 11. November erörtert worden war. Anlass: Der CDU-Antrag „Geänderte Sicherheitslage im Freistaat endlich ernst nehmen – Bürger wirksam vor terroristischen Anschlägen schützen“ in der Drucksache 6/2687. Schon damals wurde darüber gestritten, was Panikmache sei und was Warnung mit einer nicht abweisbaren Begründung. Erwartungsgemäß haben Koalitionspolitiker andere Ansichten als Vertreter der Opposition geäußert. dazwischen ein Brandbrief von Nordthüringer Polizisten.
Nun also eine ganze Sondersitzung und ein weiterer Antrag der größten Oppositionspartei, belegt mit dem Schimpfwort „Sicherheitsesoterik“. Und im Plenarsaal Vorwürfe, die Union würde sich einer sachlichen Debatte des Themas entziehen. Der lnnenpolitische Sprecher der Linken warnte unter anderem: „was uns nichts nützt, sind politisch motivierte Zahlenüberbietungswettbewerbe“. Gemeint ist die Debatte, ob künftig 155, 200 oder 250 Polizeianwärter jährlich eingestellt werden sollten, wie von der CDU gefordert. Man müsse doch der Öffentlichkeit deutlich machen, wenn 200 Anwärter kommen, „wo werden die in der Struktur mit welchen Aufgaben eingesetzt“. Wenn ihm die Klarheit darüber fehlt, ein kurzer Anruf bei den nordthüringer Polizisten oder bei Polizeigewerkschaftern brächte eine gewisse Klarheit. 155 Polizeianwärter sind im gegenwärtigen Haushalt festgeschrieben und stehen im Etatentwurf für 2018 und 2019.
Doch neben diesen praktischen Fragen, die letztendlich Fragen nach mehr Geld bei der Finanzministerin nach sich ziehen werden, wurde auch theoretisiert. Die Union lasse in ihrem Antrag offen, was ein Gefährder sei, dessen Bewegungsfreiheit mit elektronischer Fußfessel eingeschränkt werden soll, hieß es von den Grünen und den Linken. Es wurde darauf verwiesen, dass es keine bundeseinheitliche Definition zum Wesen des Gefährders gebe, um dann später zu sagen, dass mehr Polizisten nötig seien, um Gefährder anzusprechen und festzunehmen. Dass der Grünen-Abgeordnete auch diese zweite Chance nicht nutzte, um seinem Konterpart von der CDU zu verdeutlichen, was seiner Überzeugung nach ein Gefährder ist, sei hier als unbewusster Hinweis darauf gewertet, dass die Definition dessen vielleicht nicht zum Aufgabengebiet von Politikern gehört.
Ungeachtet der anfänglichen Kritik an der Sondersitzung des Landtages war der Innenminister froh, dass das Parlament „über die innere Sicherheit debattiert hat“. „Die Diskussion war gut, hilfreich und notwendig“, befand er. Da hat doch die CDU etwas dazu beigetragen.