Für eine neuerliche schwarz-rote Bundesregierung soll am 12. Februar nächsten Jahres kein Signal gegeben werden, beteuern Schwarz und Rot gleichermaßen. Für Schwarz-Grün soll bei der Wahl des nächsten Bundespräsidenten auch kein Signal gegeben werden, sagen Teile von Schwarz und viele Teile von Grün. Rot-Rot-Grün im Bund soll die Bundesversammlung auch nicht ankündigen. Mal abgesehen davon, dass die Chancen dafür derzeit als schlecht eingestuft werden. Die Wahl des künftigen Staatsoberhauptes nach der bisher vorherrschenden politischen Farbenlehre ist offenkundig an ihre Grenzen gestoßen.
Und die, die die Kandidaten ins Rennen schicken sind ratlos. Rot hat einen benannt, den Schwarz bis jetzt nicht wählen will und deshalb dem derzeitigen Regierungspartner vorhält, vorgeprescht zu sein. Einen eigenen Kandidaten kann Schwarz aber auch nicht vorweisen. Einer dessen Name mehrmals lanciert wurde, hat sich mehrmals für die erwiesene Ehre bedankt und im übrigen abgelehnt. Man sollte nicht um Kandidaturen für das höchste Staatsamt betteln. Darf Rot deshalb keinen ernsthaften Anwärter haben. Das gleiche gilt für einen Grünen, der für Teil-Schwarz akzeptabel wäre, aber eben nur für Teil-Schwarz. Es ist offenkundig so, dass beide Teile von Schwarz dem Kandidaten das Amt antragen müssen und noch Abstimmungsbedarf dazu haben.
Ein Anwärter, der für Rot-Rot-Grün stünde, müsste ernsthaft in Erwägung ziehen, dass er nicht mehr wäre, als ein Zählkandidat. Er könnte immerhin Rückgrat beweisen und in den dritten Wahlgang gehen , aus dem der als gewählt herausgeht, der die meisten Stimmen auf sich vereinen kann. Unterliegt er, wäre das für ihn ebensowenig eine Schande wie für alle anderen Konkurrenten. In diesem dritten Wahlgang würde dann halt deutlich, dass Wahl mehr mit Auswahl zu tun hat als mit Kompromiss und Absprache. Doch die Zeit drängt. Bis zum Wahltag stehen noch diverse Auftritte vor den Mitgliedern des Bundesversammlung an. Und Weihnachten und die Zeit zwischen den Jahren sind nah.
Wenn alle Versuche, sich abzusprechen scheitern, könnten die Beteiligten den vagen Empfehlungen des scheidenden Staatsoberhaupts folgen. Der wünscht sich einen Nachfolger aus einem Holz, das nicht zu hart sei aber auch nicht zu weich. Es wäre zu kurz gedacht, auf Pinocchio zu tippen. Der ist Italiener.