Politik und PR

Dass eine Landesregierung ihre Reformvorhaben verteidigt, ist erwartbar. Sie hat sogar Veranlassung dazu, wenn die Opposition mit Verfassungsklagen droht, wenn etwa 47000 Unterschriften dagegen gesammelt werden und wenn Kommunalpolitiker nicht nur von Oppositionsparteien dagegen sind. Die Landesregierung kann auch PR-Kampagnen in Auftrag geben, um die Zweifler zu informieren, um zu versuchen die Kritiker zu besänftigen, vielleicht sogar von der Sinnhaftigkeit der Reform zu überzeugen.
Man sollte sich aber von einer PR-Agentur nicht einen Slogan „Gegen diese Reform kann man nicht sein Punkt“ einreden lassen. Die Plakat-Behauptung ist falsch. Ihr zum Trotz, man kann dagegen sein. Warum sollte man nicht dagegen sein können. Warum sollte man keine vernünftigen Gründe dagegen anführen können. Haben nur die Reform-Anhänger die Vernunft auf ihrer Seite? In dem Slogan schwingt unausgesprochen mit „wenn man vernünftig an die Sache herangeht“. Und das macht die PR-Kampagne vom Start weg mindestens naseweis, bevormundend.
Wenn die Politik meint, ihr Heil bei PR-Experten suchen zu müssen, hat sie schon einen Teil ihres Feldes preisgegeben, weil PR nach anderen Regeln geht als Politik. Andernfalls wäre die Politik von Werbeexperten durchsetzt. Und mit denen ist das so eine Sache. Vor allem wenn sie schlecht arbeiten. Ein Beispiel? Nokia warb mal mit dem Slogan „Jedem das Seine“ für seine Telefone. Der Manager, der den Slogan abgesegnet hat, mochte fürs Abitur Latein als Leistungskurs belegt haben. In Geschichte war er eine Niete. Ein Beispiel aus alten Zeiten? Es gab in Erfurt mal ein Centrum-Warenhaus. Das sollte, den Erfurtern kurz vor dem 40., dem letzten Republikgeburtstag, Farbfernseher aus DDR-Produktion für mehrere Tausend Ostmark das Stück verkaufen. Zum Lob der Gestaltungskraft von Partei-und Staatsführung. Es sollte so auch Kaufkraft abgeschöpft werden. Das Motto unter dem die Aktion lief: „Der Mensch sieht bunt, das Tier Schwarz-Weiß“. Es hörte sich gut an. Doch blendete es den wesentlichen Teil der Wirklichkeit aus. Der Werbespruch war damals nicht einmal mit populärwissenschaftlichen Maßstäben gemessen haltbar. Er sollte halt nur einen Zweck erfüllen.

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