Sind Sie Unionsanhänger, dann müssen Sie jetzt stark sein. Jetzt kommt eine ganz schlimme Nachricht. Die UNION GEHT UNTER. Zumindest unter 30 Prozent. zumindest laut einer Umfrage. Sie sagen, das stimmt nicht? Sie haben Recht. CDU/CSU liegen bei 34 Prozent, zumindest nach einer anderen Umfrage (was auch schon recht mies wäre. 2013 errangen die Unionsparteien 41,5 Prozent der Stimmen). Aber wer schreit DIE UNION GEHT UNTER hat auch recht.
Es kommt nur darauf an, welcher Meinungsumfrage man vertraut, ob Alarmismus ausgelöst wird oder Gelassenheit bleibt.
Die Umfragen von Forsa und Infratest Dimap und Insa und Emnid und wie sie alle heißen, geben vor, die Wahrheit wiederzuspiegeln. In Wirklichkeit fragmentieren sie sie nur. Die Wahrheit nach Dimap steht gegen die Wahrheit nach Forsa. Und dazwischen liegen immer mehr oder wenige Prozent. Selbst wer den Mittelwert aus zwei oder drei oder vier Umfragewerten bildet, beschreibt die Wahrheit nicht.
Das Interessante, die Umfragen werden nicht präziser je näher man dem Wahltag kommt. Hin und wieder offenbart sich justament am Wahltag, wie weit die Meinungsforscher neben der Wahrheit gelegen haben. 2005 etwa wurden der Union zur Freude der Parteiführungen von allen Demoskopen 40 Prozent plus n prophezeit, was bei den Ergebnissen der Wahlen von 1990 und 1994 gelegen hätte. Am Ende landeten CDU und CSU bei 35,2 Prozent. Mit 35,2 Prozent für die Union war Helmut Kohl 1998 abgewählt worden. Laut Umfragen der Meinungsforscher zur Bundestagswahl 2013 säße die FDP heute im Bundestag. 2009 hatte sie noch 14,6 Prozent aller Stimmen geholt. Jüngstes Beispiel, die Briten gingen laut Umfragen am Tag des Brexit-Referendums als unwillige EU-Bürger zu Bett und wurden geweckt mit dem Anruf „We are out“.
„Wenn am Sonntag gewählt würde …“, was danach kommt, ist die Beschreibung einer Vermutung, mehr nicht, nahe bei dem Satz „Wenn meine Oma vier Räder hätte, wär sie ein Omnibus“.