Rechtzeitig zur Übergabe des Preises der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig für die Freiheit und Zukunft der Medien an die türkischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül hat sich die Leipziger CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla in einem Brief bei Can Dündar entschuldigt.
Sie hatte ihn Anfang September in einem Internet-Post als Cansel Dünnschiss beleidigt. Nur sie weiß, warum der in der Türkei Verfolgte sie mit seiner Forderung, die Beitrittsverhandlungen mit Ankara fortzuführen, dermaßen aus der Facon gebracht hat. Und es dauerte fast vier Wochen, bis sie die Kraft, vielleicht auch nur die Gelegenheit fand, den Brief zu schreiben. Warum die vermeintliche Läuterung?
Mit ihren Sottisen hat sie auch den Stifter des Preises in Erklärungsnot gebracht. Kudla muss gewusst haben, wen sie beleidigt. Die Bekanntgabe der Preisträger im Juni kann nicht spurlos an ihr vorbeigegangen sein. Die Medienstiftung verkündet stolz auf ihrer Internetseite: „Mit dem Mediencampus Villa Ida in Leipzig-Gohlis schuf die Stiftung einen Ort für die qualitativ hochwertige Aus- und Weiterbildung von Medienschaffenden. Die Leipzig School of Media gGmbH hat hier ihren Sitz und bildet den Nachwuchs der Branche berufsbegleitend auf höchstem wissenschaftlichem und praktischem Niveau sowie in allen Mediensparten aus.“ Kudlas Abgeordneten-Büro liegt quasi um die Ecke.
Die Stiftung gründete mit der Leipziger Uni das Institut für Journalismus- und Kommunikationsforschung. Das Institut soll zur Stärkung der Medienfreiheit und Unabhängigkeit des Journalismus beitragen. Institut und Medienstiftung werden unterstützt von der Sparkassenversicherung Sachsen. In deren Beirat sitzt, richtig, die Bundestagsabgeordnete Kudla. Also genügend Gründe, einen Brief zu schreiben außer gewonnener Einsicht.