Es gab im Bundestag mal einen Abgeordneten Wüppesahl. Der war als ein Grüner ins Parlament eingezogen und verließ es 1990 als fraktionsloser Abgeordneter. Sein Leben danach war geprägt von mehr als den üblichen Aufs und Abs einer Vita. Wer erinnert sich an ihn. Keiner. Bei den Grünen mancher, der mit ihm seine politische Karriere gestartet hat und noch heute als Politiker unterwegs ist.
Einem vielversprechenden Start folgte ein Rausschmiss aus der Fraktion. Der Grund dafür: Wüppesahl war wegen, wie es heißt, Streitereien über die grüne Programmatik aus der Partei ausgetreten. Er brachte das Parlament vor das Bundesverfassungsgericht, weil er sich durch Beschlüsse des Bundestags in seinen verfassungsmäßigen Rechten als Abgeordneter beschänkt sah. Wüppesahl bekam in Karlsruhe teilweise recht. Die Grünen hielten den umtriebigen Mann aus. Sie mussten ihn aushalten, obwohl er sie in jedem seiner mehr als 100 Redebeiträge im Plenum daran erinnert haben mag, was er für die Fraktion hätte bewirken können.
Die Union hingegen fürchtet den Rausschmiss ihrer eklig-rechten Abgeordneten Kudla, die aus München kommend über Leipzig den Weg nach Berlin nahm und die Flüchtlingspolitik der schwarz-roten Bundesregierung mit dem Naziwort Umvolkung belegte. Das Wort hat seit dem Untergang des Nazireiches wohl kein Verantwortung tragender deutscher Politiker in der öffentlichen Debatte gebraucht.
Anfangs wollte die Bundes-CDU die Bedeutung des Nazi-Tweets mit Hinweis auf die Privatheit derartiger Internet-Verlautbarungen abtun. Es dauerte reichlich eine Stunde bis jemand Wichtigeres munter wurde und die Wortmeldung verurteilte.
Das Karussell hat sich weiter gedreht und es heißt mittlerweile, Frau Kudla habe den Eintrag mit Entschuldigungsabsicht gelöscht. Entschuldigt hat sie sich nicht. Nicht bei den Mitgliedern ihrer Landesgruppe, nicht bei den Fraktionsmitgliedern, von der Öffentlichkeit zu schweigen. Was im Umkehrschluss heißt, sie hält daran fest.
Die Fraktionsspitze will augenscheinlich den Druck auf Frau Kudla vermindern, sie könnte ja nach dem Knall bei der AfD landen. Da ist Frau Kudla aber schon.