Überschreitet Horst Seehofer die bayerische Grenze, tritt die CSU bei der Bundestagswahl deutschlandweit an? Gründet die CDU einen bayerischen Landesverband?
Das Dauerthema Flüchtlinge scheint den schwarzen Schwestern einen ernsthaften Trennungsgrund zu liefern. Der frühere Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz drängt die CDU-Bundesgeschäftsstelle schon zur Suche nach einer Büro-Immobilie in München, am besten in der Nähe des Landtags. Die CSU könne durch die Ankündigung, einen eigenen Landesverband zu gründen, zur Vernunft gebracht werden. Polenz hat schon viel auf Facebook gepostet.
Manchmal wird die Lage in der Union mit dem November 1976 verglichen, als die frisch gewählten CSU-Bundestagabgeordneten die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU aufkündigten. Die Parteivorsitzenden hießen Helmut Kohl und Franz-Josef Strauß. „Es ist mir egal, wer unter mir Kanzler ist“, hatte der einmal gesagt. Da konnte er noch nicht wissen, dass die Wahl verloren gehen würde.
Die CSU wollte damals tatsächlich nach CDU, SPD und FDP bundesweit als vierte Partei bei Wahlen antreten. Das kann ihr heute nicht mehr gelingen. Sie wäre die mittlerweile siebente Partei. Die Christsozialen als Bundespartei würden es ohne Frage der AfD schwerer machen, Stimmen einzusammeln. Vielerorts hört man: „Ich würde Seehofer wählen, wenn ich nur könnte“.
Doch ist fraglich, ob die durch die CSU als bundesweiter Akteur veränderte Parteienarithmetik die Union insgesamt aufsteigen lässt. Nach wie vor sind CDU-Politiker davon überzeugt, die Union könne Bundestagswahlen nur gewinnen, wenn die CSU in Bayern absolute Mehrheiten erringt. Mancher von Ihnen sieht die durch einen bayerischen CDU-Landesverband gefährdet. Strafexpeditionen bergen halt die Gefahr, dass sie im Desaster enden.