Auf das Feld der Diplomatie eilte am Freitag der Abgeordnete BH von der AfD als der Thüringer Landtag die praktische Frage erörterte, ob Kinder mit besonderem Förderungsbedarf an einer „normalen“ Schule nicht besser aufgehoben seien. Inklusive Schule heißt das Zauberwort, von dem sich die Befürworter viel versprechen.
Der fraktionslose Abgeordnete JR – er war einmal Minister und mithin ein wichtiger Politiker – hatte zuvor aus eigenem Erleben berichtet. Seine taube Tochter wurde an verschiedenen Sonderschulen in Thüringen und Nordrhein-Westfalen bis zum Abitur geführt und ist nach einem Studium in Köln mittlerweile Lehrerin. JR zeigte sich überzeugt, dass seine Tochter über den Weg der inklusiven Schule es lediglich bis zur Zahntechnikerin gebracht hätte. Seine Einschätzung wollte er ausdrücklich nicht als Missachtung des Zahntechnikerberufes verstanden wissen. Von seiner Skepsis wird JR niemand abbringen können. Aber man merkte, er sprach als Vater mit sehr viel persönlicher Bettroffenheit.
BH, der Geschichtslehrer, lehnte die inklusive Schule gleichfalls ab. Er habe damit nur ein wenig Erfahrung, räumte er ein und im Zusammenhang damit an die Linke gewandt sagte er, er wisse, welche „Endlösung“ die anstrebe. BH weiß, wie er Menschen, deren Ansichten er ablehnt, gegen sich aufbringen kann. Er macht reichlich Gebrauch von diesem Wissen.
Und dann suchte der Abgeordnete Argumente im Völkerrecht. Die UN-Behindertenrechtskonvention ist immerhin ein völkerrechtliches Übereinkommen. Nun verwendet der englische Originaltext den Begriff „inclusive“ wenn das anzustrebende Bildungssystem in Bezug auf Menschen mit Behinderung beschrieben wird. BH musste sich aber auf die Position retten, für ihn sei nur die amtliche deutsche Übersetzung des Textes maßgeblich und die führt nun mal das Wort „integrativ“ und nicht „inklusiv“. Schade nur, dass das Gesetz mit dem der Bundestag das Übereinkommen ratifiziert hat, den englischen Text gleichberechtigt neben die deutsche und die französische Übersetzung stellt.
BH, der alles Deutsche so über alles mag, scheute sich dennoch nicht, seine Wortmeldung mit einem lateinischen Sinnspruch einzuleiten. Wozu hat man Latein gebüffelt, wenn man es nicht anwenden soll?