Die Welt der großen Politik ist so widersprüchlich. Da gibt es zum Beispiel in den USA einen Präsidentschaftskandidaten, vor dem warnt angeblich ein Dutzend seiner ehemaligen Mitarbeiter: den auf keinen Fall noch einmal. Und dann gibt es eine Kandidatin, die vom Präsidenten im Rennen zum Weißen Haus steif und fest behauptet, der sei ja noch immer full capacity und die dennoch bereit stand, als er auf offener Szene in einer Art kleiner Putsch beiseite geschoben wurde. Er war nicht mehr die Zugnummer, was sich unter anderem an der Zurückhaltung von Geldgebern für den teuren Wahlkampf zeigte. Als die Frau, die eigentlich nur Zweitbeste, an die Spitze gerückt worden war, floss das Geld wieder.
Der Bewerber, so kann man verfolgen, erzählt Geschichten. Im Moment nett anzuhören, doch wenn man sie überprüft, würde man immer wieder feststellen, dass sie, sagen wir, sich nicht immer als prüfungssicher erweisen. Und die Bewerberin? Sie lacht sich im Wesentlichen durch den Wahlkampf und erzählt zu den verschiedensten Anlässen in mitunter gleicher Wortfolge das Gleiche. Wenn dann mal der Teleprompter ausfällt, muss sie extemporieren, wie man es in der Theatersprache so nennt. Aus dem schöpfen, was sie im Kopf hat. Und dann fällt einem wieder ein, dass der einmal bestmögliche Kandidat der Demokraten, nachdem er in Richtung Altenteil in Delaware dirigiert worden war, seinen Ersatz als die bestmögliche Kandidatin preisen musste.
Aber wer zu Wahlkampfveranstaltungen geht, möchte sich in der Regel nicht davon überzeugen, dass der oder die da vorne auf der Bühne eigentlich nicht der Lieblingskandidat, die Lieblingskandidatin ist. Wer zu so einer Veranstaltung geht, wird zum Teil einer Inszenierung und es ist unerheblich, ob man ein Schild mit einem Namen in die Luft hält. Die Skeptiker sieht man nicht. Die Unentschlossenen sind die Zielgruppe. Solche Veranstaltungen und sogar der Weg dorthin sind für die Wirkung im Moment konzipiert, auch für wirkmächtige Fotos. Das zeigt sich, wenn der Nochpräsident die potentiellen Wähler des Kontrahenten seiner Nochstellvertreterin als garbage bezeichnet – der Pressestab „redigierte“ die Abschrift des Telefonats und der Präsident schickte noch eine Erklärung hinterher, was er eigentlich sagen wollte – und die Berater des Möchtegernpräsidenten setzen den prompt in ner roten Sicherheitsweste auf ein Müllauto. Und der fragt die Anwesenden: wie gefällt euch mein Müllauto? Schenkelklopfen. Beifall für soviel Kalkül.
Nun hat der Wähler nach so einem Wahlkampf sich zu entscheiden zwischen einem Geschichtenerzähler und einer lachenden Maske.