Die Linke-Landeschefin und Neu-Abgeordnete bringt R3 als Minderheitenkabinett in die ohnehin schon wirre Debatte um das Wie weiter in Thüringen. Als der bald geschäftsführende Ministerpräsident zur Landtagswahl 2019 öffentlich sein Interesse an einer Minderheitsregierung im schönsten Freistaat bekundete, zog die Linke noch mit 29 Abgeordneten in den Landtag ein. Derzeit hat sie gerademal 12.
Die Linke-Chefin, ob sie als Vordenkerin in die Landes-Geschichte eingehen wird, muss sich erst weisen, hat zwar recht mit ihrem generalisierenden Ansatz Minderheitsregierung ist Minderheitsregierung. Doch macht es einen Unterschied, ob man sich als Rot-Rot-Rot fünf Jahre lang mit 33 Abgeordneten um Mehrheiten bemühen müsste oder mit 44 wie eine CDU-geführte Landesregierung mit BSW und SPD. Noch dazu, wenn die AfD im Landtag, der am 1. Oktober zusammentritt, allein 32 Abgeordnete hat. Das deutet auf die Verwirrnis, die dem Vorschlag zugrunde liegt.
Verlässt man das Feld der Grundrechenarten und begibt sich auf das Feld der Politik, wird das noch klarer. Ist‘s ne Sekte, ist‘s ne Art Khalifat, ätzte der Ministerpräsident in diversen Interviews gegen das BSW. Zum Jahresempfang seiner Fraktion im Landtag zeigte er seine Verachtung für die Partei, in dem er sie eine „Phantompartei“ nannte, die sich anmaße, im Plenarsaal wie eine große Partei auftreten zu wollen. Kann ein Graben zwischen zwei Parteien breiter sein? Gut, die Linke liefe im 8. Thüringer Landtag nicht Gefahr, dass ein Politiker aus der politischen Mitte, noch dazu ein Liberaler sich im 3. Wahlgang für den künftigen Regierungschef zur Wahl stellte, ginge die Partei, wie vor fünf Jahren erneut ohne eigene Mehrheit in die Abstimmung.
Bei Betrachtung der Wirklichkeit (Absturz der Linke und SPD, Mandatsverluste für die Grünen) hat der Spitzenmann der Linke kurz nach der Stimmenauszählung beteuert, Thüringen brauche jetzt eine Mehrheitsregierung und er wolle alles dafür tun, dass die zustande käme. Entweder er und die Landeschefin stimmen sich nicht ab, oder die Landeschefin wollte zu erkennen geben, dass bei politischem Abenteurertum auf ihn keine Rücksicht mehr genommen werden müsse. Dabei hat er doch erst seine unverbrüchliche Treue zu Partei und Fraktion beteuert.