Zunehmend fragwürdig

„Ich werde mit Allahs Hilfe bewirken, dass ich das deutsche Volk islamisieren kann.“ Diesen Satz postete der syrische Flüchtling Mohammed auf seinem Facebook-Account. Er ist durch die im Kika ausgestrahlte Dokumentation „Malvina, Diaa und die Liebe“ deutschlandweit bekannt geworden. Der junge Syrer präsentiert sich zu dem Post auf einer Kanone.

Der Hessische Rundfunk, der den Film produziert hat, muss einräumen, dass der Post authentisch sei. Der Post, so habe der Syrer versichert, sei als Scherz zum Ende des Ramadan gemeint gewesen, erläutert der Sender. Der Ramadan endet mit dem ausgelassen begangenen Fest des Fastenbrechens. Es wurde 2017 je nach dem Tag der Sichtung der neuen Mondsichel zwischen dem 25. und 27. Juni. gefeiert. Der Post kam Wochen später.

Post und Erläuterung dazu sind ein weiteres Glied in einer Kette von Fragwürdigkeiten, die der HR zu verantworten hat, und die auch auf den KiKa zurückfallen. Diaa nannten die Macher des Films den jungen Mann. Dann wurde eingeräumt, der in seinem Pass eingetragene Name sei Mohammed. Diaa sei sein Spitzname. Dann wird das Alter im Internetauftritt zur Sendung stillschweigend von 17 auf 19 geändert. Ein Like Mohammeds bei Facebook für den deutschen islamistischen Prediger Pierre Vogel habe einem Quizz für eine Reise nach Mekka gegolten, wird behauptet.

Nicht, dass sich ein junger Syrer und eine junge Deutsche ineinander verlieben, ist das Außergewöhnliche. Dagegen kann niemand ernsthaft etwas haben. Die Absicht der beiden Sender zu zeigen, wie zwei junge Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen um ihre Beziehung kämpfen, entspricht durchaus publizistischen Maßstäben. Doch erscheint sie angesichts der bekannt gewordenen Fakten zunehmend fragwürdig. Forderungen des jungen Mannes, seine Freundin solle keine kurzen Kleider tragen und ihre männlichen Freunde bei der Begrüßung nicht umarmen, erscheinen in einem anderen Licht. Kann sein Geständnis, er wolle das Mädchen schnellstmöglich heiraten, noch als Ausdruck bloßer Liebe angesehen werden? Ist die Frage, ob sie sich vorstellen könne, zum Islam zu konvertieren und einen Schleier zu tragen, wirklich harmlos? Wer keinen Glauben habe, habe kein Leben, sagt Mohammed und er meint damit selbstverständlich den Islam, nicht das Christentum. Das Mädchen hält im Film dagegen. Nein, keine Hochzeit, kein Schleier, sie sei Christin und Emanze, begründet die 16-Jährige selbstbewusst und spielt dabei mit dem Kreuz, das sie an einer kurzen Kette um den Hals trägt. Mohammed ist nicht dabei.

Der Hessische Rundfunk und der Kinderkanal werden in öffentlichen Reaktionen hart angegangen. Nicht immer ist die Kritik angemessen. Es werde der Versuch einer Indoktrination eines jungen Mädchens vorgeführt, wird unter anderem kritisiert. Der KiKa handele unverantwortlich, er zeige falsch verstandene Toleranz. Eltern machen sich Gedanken, ob sie ihre Kinder noch unbeaufsichtigt den KiKa schauen lassen können – was mal ein Argument war, um den Sender gegen pädagogisch nicht so wertvolle Angebote privater Sender abzugrenzen. Reihenweise verkünden Eltern, ihre Kinder künftig vom Sender fernzuhalten. Selbst wenn man von den 258 Kommentaren zu einer Erklärung des HR die bis zum 11. Januar 16.23 Uhr auf der KiKa-Internetseite platziert wurden, 34 abzieht (das entspräche in etwa dem Stimmenanteil für die AfD zur Bundestagswahl) bliebe noch genügend Empörung, Verständnislosigkeit und Enttäuschung, womit sich die beiden Sender gründlicher auseinandersetzen müssen, als sie ihren männlichen Protagonisten auf Eignung für ein solches Projekt überprüft haben. Glaubwürdigkeit ist schon jetzt verloren gegangen.

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