Nicht mal Zweidrittel-Gesellschaft

Es kann einen Politiker niemand daran hindern, den Ausgang einer Urabstimmung mit Beteiligung von 58,96 Prozent der 60808 Parteimitglieder ein gutes Ergebnis zu nennen. Das relativiert sich aber schon, wenn man ins Kalkül zieht, dass 2012 bei der ersten Urabstimmung 61,73 der Grünen zum Briefkasten eilten. Drei Prozentpunkte sind sehr viel angesichts einer Wahlentscheidung, bei der 75 Stimmen mehr oder weniger darüber entscheiden, ob man Spitzenmann wird oder Wasserträger. Auch wenn die einzige Kandidatin von 33935 gültigen Stimmen 23967 bekommen hat, hört sich das viel an. Wie aber hört es sich an, dass mehr Grüne nicht für die Frau gestimmt haben, die sowieso nicht verlieren konnte. Und immerhin wird der Politisierungsgrad in der Partei als höher angenommen als in den übrigen Parteien und im Durchschnittswahlvolk. Also, statt „Basis ist Boss“ nicht mal Zweidrittel-Gesellschaft.
Am Ende der Abstimmung steht ein Realo-Spitzenduo, das hin und wieder mit Schwarz-Grün als präferiertes Regierungsmodell in Verbindung gebracht wird – keine wirkliche Machtoption, weder für die Union noch die Grünen. Auf 47 Prozent brächte es Schwarz-Grün nach der aktuellen Forsa-Umfrage. Zu wenig. Mit den Liberalen käme man auf immerhin 56 Prozent. Ausreichend um in Sondierungen und Koalitionsverhandlungen einzutreten. Sätze wie „wenn ich irgend etwas nicht vermisse, dann Sie im Bundestag“ der Fraktionschefin zum FDP-Chef vor laufender Kamera, lassen aber eher eine tiefe Abneigung erkennen als den eventuellen Willen zu gemeinsamer Regierungsverantwortung. Auch wenn solche Worte dem linken Flügel der Partei sehr gefallen mögen, sollte man als Grüner auch in einem grünen Wahlkampf nicht auf Bäume steigen, von denen man nach der Wahl erst wieder mühselig herunter krabbeln muss. Und Rot-Rot-Grün ist weit von einer Mehrheit entfernt. 

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