Lange nix richtig Skandalöses von der AfD gehört. Kein bundesweiter Aufreger von Höcke, Gauland, Petry und Co. Sie konnten sich in den ruhigen Tagen zurücklehnen. Andere sorgten dafür, dass das Parteikürzel mit dem f immer wieder durch die Nachrichten ging. Andere machten ihre Partei publik. Politiker von CDU, SPD, Grünen, Linke und FDP – Spitzenleute wie auch das Personal aus der zweiten und dritten Reihe – hielten anderen vor, wie AfD-ler zu reden oder bekamen es unter die Nase gerieben. FDP-Chef Lindner erinnert nach dem Dreikönigstreffen den CDU-Generalsekretär an den schon vom Äußeren her sehr verschiedenen Gauland, nur dass der ein abgewetztes Tweed-Sakko trage und keine überteuerten Maßanzüge. Ist Tauber extrem kurzsichtig? Und woher weiß er, wie ein überteuerter Maßanzug aussieht? Die Linke-Fraktionschefin im Bundestag, Wagenknecht, heißt es aus ihren eigenen Reihen, von Union, SPD und Grünen, spreche wie eine von der unappetitlichen Partei. Und schon wird polemisch nach dem Termin für den Vereinigungsparteitag gefragt. Via ND wird beteuert, dass mit Wagenknecht die Linke nicht wählbar sei. R2g werde erst richtig schön ohne sie. Zur Erinnerung sie ist erst vor Kurzem – na gut, unter erklärungsbedürftigen Umständen – zur Spitzenkandidatin ausgerufen worden. Aber man demontiert unverdrossen an ihr herum und ist überzeugt, Klarheit und Reinheit der eigenen Gedankenwelt unter Beweis zu stellen, wenn man ihr nur oft genug ein blaues Bonbon an die Bluse heftet. Komisch, dass zu Bayerns Ministerpräsidenten Seehofer, im Clinch mit der Kanzlerin um die richtige Flüchtlingspolitik, die größtenteils wohl auch Migrationspolitik genannt werden sollte, noch niemandem aufgefallen ist, dass in den Landesfarben Bayerns ja schon das AdD-Blau per Freistaatsverfassung vorgeschrieben ist. Getarnt als Raute.
Der Wähler ist verwirrt. Wenn A über B sagt, er mache rechtspopulistische Politik, wenn C der D vorwirft, sie rede wie eine von den Abgefeimten, soll das dann vor dieser einen Partei abschrecken oder vor einer der etablierten Parteien, die sich ja bloß als Konkurrenten sehen. Und, fragt er sich, vertrauen sie weniger auf die eigenen Positionen und Argumente als darauf, den anderen nur möglichst mies zu machen? Und braucht es dazu wirklich den Rückgriff auf die Blauen? Und vertragen die sich dann nach der Wahl wieder? Eine politische Auseinandersetzung soll das sein. Und es erinnert doch mehr an ideologischen Klassenkampf, an psychologische Kriegsführung mit Fake News, die nur Feinde kennt aber keine Gegner. Haben die vergessen, dass noch immer der Satz gilt: wirf nur mit Dreck, es bleibt immer etwas hängen?